Beschreibung
Das Argument 344 (66. Jahrgang · Heft 1 / 2026)
35 Jahre Westdeutsche Einheit: Antikommunismus –
Neoliberalismus – Bellizismus
Editorial
Dieses Argument-Heft ist das erste in neuer Folge, mit neuer Herausgeberschaft und neuer Redaktion – nach einem Wechsel über zwei Generationen hinweg. Wir führen mit ihm den Beginn der Zeitschrift in seinem Kampf dem Atomtod fort: Forward strategy, massive retaliation, Armageddon scheinen für zeitgenössische Politiker*innen wieder gangbare Fortsetzungen der Politik mit anderen Mitteln zu sein. Grenzenloser Militarismus ist seit Scholz’ Superlativ der Zeitenwende und Merz’ – den Superlativ seines Vorgängers noch überbietendem – Epochenbruch vorrangiges Staatsziel Deutschlands und wichtigste Investitionsanlage seines Nationalkapitals. Erneut ist darum weniges so geboten wie der Antimilitarismus, für den das Argument stets stand und einstand. Das gilt insbesondere gegen eine Hegemonie, die selbst weite Teile der ehemaligen Linken ins Racket des Bellizismus integriert hat. Gerade pluraler Marxismus, der auch als antikapitalistischer Organisationszusammenhang für Feminismus, Antirassismus und Ökologie jenseits ihrer bürgerlichen Formatierungen dient, kann die virilistische, kolonialistische, ökozidale Seite des Kriegführens nicht ausblenden. Zudem ist das Militär als Fabrik des autoritären Charakters, die blinden Gehorsam, selbstbrecherische Disziplin und bedingungslose Opferbereitschaft – zum Zweck eliminatorischer Feindbildprojektion – produziert, eine der wichtigsten Brutstätten der Faschisierung: »A neo-fascist culture emerges through militarism, misogyny, extreme masculinization, and racism«.1 Dass solche grundsätzlichen Zusammenhänge, die die Analysefähigkeit der Linken seit ihrem Entstehen offenlegt, durch ganze Spektren derer, die sich heute in die Tradition der Linken stellen, rundheraus abgestritten und verleugnet, wenn nicht verleumdet werden, ist besorgniserregend. Die Entwendung aus der feministischen Kommune geschieht inzwischen ausgerechnet im Namen des Vaterlandes: So tritt der stählerne Kultus des Soldatentums – von der toxischen Männlichkeit heroischer Härte bis zum Töten- und Sterbenwollen zu ›höheren Zwecken‹ – seit Jahren als ›feministische Außenpolitik‹ auf. Neben den Anfängen der Zeitschrift schließt sich das vorliegende Heft besonders an die Argument-Ausgaben der 1990er Jahre an (…)
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Inhalt
Lukas Meisner
Editorial. 35 Jahre Westdeutsche Einheit: Antikommunismus – Neoliberalismus – Bellizismus
Lukas Meisner
Konturen eines Triptychons. Vorläufiges zum Argument-Marxismus in neuer Folge
Literatur
Stephanie Bart
Gesunde Ernährung
Lukas Meisner
35 Jahre Volksenteignung
Anna Stiede
Mein Ekel ist Sehnsucht
Theresa Walter
Nachrichten aus dem Patriarchat
Lukas Meisner
Glossen zum Antikommunismus
Malte Schlösser
Alle haben Angst, nicht stattzufinden
Ole Nymoen
Sätze ohne Subjekt
35 Jahre Westdeutsche Einheit: Antikommunismus – Neoliberalismus – Bellizismus
Daniela Dahn
Feindliche Übernahme auf Wunsch der Übernommenen
Mandy Tröger
Die AfD und ihre Instrumentalisierung des Treuhand-Traumas: Geschichtspolitik im Dienste des Rechtspopulismus
Ceyhun Elgin
Vom Postsozialismus zum Neofaschismus? Informalität und das Scheitern zivilgesellschaftlicher Alternativen in Ostdeutschland, Polen und Russland
Raul Zelik
Vom ›Weiter-so‹ zum Spätfaschismus
Sascha Freyberg, Martin Küpper, Lukas Meisner
Begriff und Leugnung der Entfremdung in Ost und West. Eine Übung in pluralem Marxismus
Ulrich Ruschig
»Es soll kein Krieg sein«. Was Kant den heutigen Staatsführern ins Stammbuch geschrieben hätte
Zetkin Forum 2025: Faschismus zurück in Europa?
u.v.m.
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