Marge Piercy, Jahrgang 1936, entwickelte aus ihrem Engagement in der Friedens-, Antiatom- und Frauenbewegung schon früh das Ziel, eine Prosa zu schreiben, die das Politische einbezieht. Ihre in der US-Tradition des sozialen Realismus erzählten Romane reflektieren verschiedenste Biographien, zeigen soziale Schwierigkeiten und Widersprüche sowie individuelle Befreiungsversuche und Lösungen auf. Die Dichterin verfasste 17 große Romane und 19 Lyrikbände. Als Tochter einer mütterlicherseits jüdischen Familie wurde sie in Detroit geboren, wuchs in einem von rassistischen Spannungen geprägten Arbeiterviertel auf, studierte mit Stipendium in Chicago. In den USA, England und Skandinavien ist sie eine Bestsellerautorin und feste literarische Größe, wichtiges Vorbild ganzer Autorinnengenerationen. Die Trägerin von vier Ehrendoktorwürden engagiert sich seit den 1960ern bis heute gegen Krieg und als feministische und ökologische Aktivistin.
Übersetzerin: Heidi Zerning (1940–2022), Berliner Pflanze und Kettenraucherin, studierte Anglistik, Amerikanistik, Geschichte & Philosophie, ging zum Theater, fing an zu übersetzen. Nach 30 Theaterstücken bekam sie Lust auf Prosa, begann mit Ariadne-Krimis, Die dünne Frau wurde ein Renner. Dann Marge Piercy: Jahrelang widmete sich Heidi Zerning ganz der Aufgabe, Romane dieser Autorin ins Deutsche zu übertragen. Später übersetzte sie Virginia Woolf, Truman Capote u. a., berühmt wurde sie auch als deutsche Stimme von Alice Munro.
