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Lucio Magri

 



Lucio Magri
Der Schneider von Ulm
Eine mögliche Geschichte der KPI

Berliner Beiträge zur kritischen Theorie Band 15
460 Seiten • Gebunden mit Lesebändchen • ISBN 978-3-86754-106-0 • 46 € [D]
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Der letzte Kongress der italienischen Kommunisten, auf dem die Partei zu Grabe getragen wurde, tagte im Jahr 1991. Es war durchaus ein bewusster Freitod, angetrieben durch den Wunsch nach einem Neuanfang. Doch der fand niemals statt, und damit verlor die Welt ein unschätzbares politisches, organisatorisches und theoretisches Erbe. Die PCI markiert fast ein Jahrhundert italienischer Geschichte, von der Gründung im Jahre 1921 über den Partisanenkampf und die Wende von Salerno 1944, die Entstalinisierung von 1956, die lange Phase von '68 bis zum Historischen Kompromiss, schließlich die verpasste Gelegenheit zur demokratischen Transformation.

Lucio Magri, eine charismatische Figur der italienischen Linken, hat ein Buch geschrieben, das weit mehr ist als eine auf Italien reduzierte Dokumentation der kommunistischen Erfahrung. Ausgangspunkt ist der Erste Welt­krieg und mit ihm die Oktoberrevolution, die ausbleibenden Revolutionen im Westen, die Dialektik von Bürgerkrieg, innerer Militarisierung und Bürokratisierung. All dies bringt Magri scharf und klar zur Sprache.

Der Schneider von Ulm ist eine Geschichte des 20. Jahrhunderts, rekonstruiert in der Perspektive, die kommunistische Frage offen zu halten.



Mit Strenge und Leidenschaft verbindet Der Schneider von Ulm eine kundige Interpretation der Geschichte der italienischen Linken mit der Lebenserfahrung eines militanten »Ketzers«. Neben einer fundierten Reflexion über den westeuropäischen Kommunismus liefert Magri erhellende Erkenntnisse zum modernen Italien.

»Man könnte erbitterte Memoiren oder eine Abrechnung erwarten, aber Magris umfassende, allen Widersprüchen gerecht werdende Darstellung liest sich als hieb- und stichfeste Bilanz des Werdens und Wirkens der PCI. Manchmal spürt man den Schmerz eines Menschen, der sein Leben lang für ein besseres Italien gekämpft hat, um schließlich einem so lächerlichen Widersacher wie Silvio Berlusconi gegenüberzustehen – besiegt nicht etwa von den Massen, sondern von den Märkten.« The Guardian

»Magri liefert eine unschätzbar wertvolle Plattform, von der aus sich die scheinbar ausweglose Situation der gegenwärtigen globalen und systemischen Krise besser verstehen lässt.« John Green, Review 31

»Dieser hinreißend geschriebene, akkurat recherchierte Band ist von großem Interesse für alle Forschenden und Lehrenden zu den Themen Kommunismus, europäische Linke, Italien sowie Kalter Krieg. Sehr empfehlenswert.« Choice.

Lucio Magri

Lucio Magri (1932–2011), Journalist und Politiker, trat in den 1950er Jahren der Kommunistischen Partei Italiens bei. 1969 wurde er mit Rossana Rossanda, Valentino Parlato, Luciana Castellina u.?a. ausgeschlossen, weil sie sich mit dem Prager Frühling solidarisierten. Daraufhin gründeten sie die berühmte Zeitschrift il manifesto. Danach war Magri vor allem in der unabhängigen Linken und der Friedensbewegung aktiv. Sein Buch Il Sarto di Ulm erschien 2009 in Italien und 2011 in England (The Tailor of Ulm: Communism in the Twentieth Century).

Inhalt

Inhalt

Vorwort
Einleitung

Kapitel 1  Das Erbe   Die Bürde des kommunistischen Menschen
  Das Gramsci-Genom

Kapitel 2  Ein Gründungsakt. Die Wende von Salerno
  Die Befreiung
  Die Regierungen der Nationalen Einheit von 1945–1948
  Die neue Partei

Kapitel 3  Auf des Messers Schneide zum Dritten Weltkrieg
  Der lange Kalte Krieg
  Die große Überraschung
  Der neue Kalte Krieg
  Die Erfindung des Atlantikpakts

Kapitel 4  Die Kommunisten und der neue Kalte Krieg
  Stalins Antwort
  Der Fehler des Kominform
  Die harten Jahre

Kapitel 5  Der Schock des XX. Parteitages
  Der Beginn der Entstalinisierung
  Der XX. Parteitag der KPdSU und die ›Geheimrede‹ Chruschtschows
  Polen oder Ungarn

Kapitel 6  Die KPI und die Entstalinisierung
  Togliatti und die Geheimrede
  Das zweite Gewitter
  Der VIII. Parteitag der KPI

Kapitel 7  Der Fall Italien
  Das Wirtschaftswunder
  Das Wiederaufleben der Arbeiterkämpfe

Kapitel 8  Mitte-Links

Kapitel 9  Die KPI und der Neokapitalismus
  Rechts und Links
  Die Tendenzen des Neokapitalismus
  Entwicklungsmodell und strukturelle Reformen

Kapitel 10  Der XI. Parteitag
  Die Legitimität des Dissenses
  Die UdSSR und China

Kapitel 11  Italiens langes Jahr 1968
  Die zentrale Rolle der Arbeiter
  Die Studenten und ihr Umfeld
  Das Ökumenische Konzil

Kapitel 12  Die KPI und 1968
  Der Prolog
  Prag bleibt allein
  Die Partei und die Bewegungen
  Longo, Berlinguer
  Der Ausschluss von il manifesto

Kapitel 13  Dem Ende der Partie entgegen
  Die Wirtschaftskrise
  Eine nicht vollzogene Ehe
  Die ersten Schritte einer Politik

Kapitel 14  Der Historische Kompromiss als Strategie

Kapitel 15  Vom Höhepunkt zur Niederlage
  Das Dilemma des Jahres 1976
  Die Große Koalition und ihr Scheitern
  Ausblendungen, Verschweigen, Lügen

Kapitel 16  Was in Italien am Brodeln war
  Das Wunder auf absteigendem Ast

Kapitel 17  Was in der Welt am Brodeln war
  Die Endphase des Kalten Krieges
  Krise im Osten
  Kissinger – ein diabolisches Genie
  Der neue Wind aus dem Westen

Kapitel 18  Die verhängnisvollen 80er Jahre
  Der zweite Berlinguer
  Das Wiederaufleben des Klassenkonflikts
  Die moralische Frage
  Der Riss
  Eine vorläufige Bilanz

Kapitel 19  Natta, der Vermittler

Kapitel 20  Andropow, Gorbatschow, Jelzin
  Die Perestroika
  Der Zusammenbruch

Kapitel 21  Das Ende der KPI
  Die Operation Occhetto
  Die überraschende Einmütigkeit
  Die Wende von Bolognina: das Ja und das Nein
  Die drei Spaltungen

Anhang
Eine neue kommunistische Identität (1987)
  Entwicklung und Natur
  Überfluss und Armut, Bedürfnisse und Konsum
  Die Frage der Arbeit
  Die Hilflosigkeit des Souveräns
  Die Parteiform

Lucio Magri
Ich habe mein Versprechen gehalten. Der Abschiedsbrief

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