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  Vorlesungen zur Einführung in die Erinnerungsarbeit
The Duke Lectures
 


Weitere Titel von Frigga Haug

240 Seiten; ISBN 3-88619-321-7; 34,80

Inhalt

Erinnerungsarbeit – ein Projekt
Erinnerungspolitik und Befreiungsverlangen
Sprache des wirklichen Lebens – als Forschungsfrage
Über die Geschlechtsspezifik von Angst
Hat die Leistung ein Geschlecht?
Dialektik sexualpolitischer Kampagnen
Sexuelle Deregulierung oder
Der Kinderschänder als Held im Neoliberalismus
Feministisch arbeiten mit Marx
Erinnerungsarbeit – ein Leitfaden zur Methode

Leseprobe
(aus technischen Gründen mussten die Fußnoten im Internet weggelassen werden)

Frigga Haug

Erinnerungsarbeit – ein Projekt

Eine Erinnerung ohne Gott und Teufel – was wäre der Nutzen?
Christa Wolf

Das Fotoalbum

Wer hätte unter uns, zumindest uns in der als westlich bezeichneten Welt, kein Fotoalbum? Da steht es neben vielen seinesgleichen, angeschwollen von schlechtem Klebstoff und sorgfältig montierten Bildern. Ich erinnere unvermittelt die Begeisterung bei der chronologischen episodenhaften Erstellung dieser Werke. Sie überträgt sich nicht auf den Gebrauch. Nur zögernd und zunehmend seltener werden die Alben aufgeschlagen. Benommen der Blick auf die fremd-vertrauten Personen. Der Versuch, sich auf diese Weise Kindheit, Schulzeit, Reisen, "Knotenpunkte der Biographie" wieder anzueignen, stösst auf ungewusste Hindernisse. Das einfache Wiedererkennen zum Beispiel in dem Ausruf: "Das bin ich vor dem Dogenpalast in Venedig", stockt vor der Leere solcher Aussage. Die Augen rücken näher im Versuch, sich wirklich zu erinnern. Da atmen aus den Fotos verquere Gefühle – dies zuallererst, noch bevor Schrecken ob vergangener Jugend oder nicht mehr einholbarer Erfahrung sich vor die Erinnerung schieben kann, als seien sie das Wichtigste, das aufgearbeitet gehört. Unglück, Unpassendheit, Ungenießbarkeit, Ungereimtes – zahlreiche Befindlichkeiten, angemessen mit der Vorsilbe "Un" versehen, kämpfen sich an die Oberfläche, wollen zuerst wahrgenommen und, wenn schon Erinnerung, jetzt eingeholt werden. Fotos scheinen so, jedenfalls für mich, in erster Linie Verdichtungen von Erlebnissen, deren Gefühlsseite nicht zu Ende empfunden ist, die immer weiter ihrer Abholung und Erledigung harren. Im momentanen Stillstand, den die fotographische Aufnahme herstellt, sind die Geschichten abgebrochen. Jedes Betrachten löst sie erneut heraus, kindlich, unfertig mit der Zumutung, weitergelebt zu werden. Das geht früh los. Ein kleines Mädchen mit großen Augen vor einem Plattenspieler. "Das ist ja noch das uralte Modell mit dem Trichter", ruft es von innen entdeckend harmlos – "den du kaputt gemacht hast!" ergänzt im gleichen Innen die Stimme der älteren Schwester. Und ohne aus der Zeit Abnutzungserscheinungen zu tragen, kehren die alten Gefühle von Geschwisterkonkurrenz, Empörung, Selbstgerechtigkeit, Verletzung als nicht zu Ende gelebtes Leid hervor. Das geht so weiter von Foto zu Foto – der Berg an widrigen Gefühlen ist schwer erträglich, ein Abtragen scheint wenig Erfolg versprechend. Blättern wir schnell weiter. Älter geworden zeigen sich in den Zügen des Mädchens Unsicherheit, Trotz, Unglück als Darstellung eines verkrampften Lächelns. Das bleibt auf allen Bildern, ohne dass sich wissende Erinnerung einstellen will, was eigentlich geschah. Wohlfeil mischt sich das Allerweltswort "Pubertät" vor die Fragen und stellt sie ein weiteres Mal still. Die Mischung aus darstellender Pose und kaum verhüllter Regung, die vielleicht am besten als Widerstand bezeichnet werden kann, bleibt. Hier ist eine Person sichtlich nicht im Reinen mit sich. Ein Blick auf andere Gestalten auf den Fotos belegt, es geht ihnen ganz ähnlich, nur, dass bei ihrem Anblick die Episoden hinter den Bildern, die subjektiven Erfahrungen der Situation, des Tages, der Zeit sich nicht nach vorne drängen wollen. Insofern sind Fotoalben kein gutes Mittel, etwa um den Zeitgeist einer Epoche aufzuspüren, eben weil die Geschichten, die aus ihnen herauslesbar sind, nicht die unzähligen gegenläufigen Strömungen unterhalb der Oberfläche des Bildes und der dargestellten Pose sind. Aber gerade deshalb sind Fotoalben ein ausgezeichnetes Mittel für die Arbeit mit eigenen Erinnerungen. Unvermittelt und spontan entlassen sie schon beim ersten Hinsehen eine Vielzahl von kleinen einander widersprechenden gefühlsmäßig hoch geladenen Episoden, die auf ihre Erzählung warten wie Dornröschen hinter der Dornenhecke auf die Erlösung aus dem Schlaf.
Wozu aber sollte man sich erinnern? Warum jetzt noch mit sich ins Reine kommen? Warum nicht die alten Geschichten ruhen lassen? Ist nicht die Tatsache, dass sie so schlafend in den Fotos vor sich hin dämmern, selbst Beweis, dass sie sich nicht gelohnt haben? Wozu überhaupt sich eigener Geschichte versichern, in ihr arbeiten, statt gegenwärtig und ausschließlich jetzig zu leben?

Die kollektive Erinnerung

Die einzelne Person mit ihrer persönlichen Erinnerung läuft in einem komplizierten Verhältnis zu dem, was man kollektive Erinnerung nennt. Diese arbeitet sich ab an Geschichte im Großen, an gesellschaftlichen Strukturen, an groben Einschnitten und Veränderungen, an Krieg und Frieden. Sie verfährt gewissermaßen makrologisch und bestimmt zugleich mit, an was und wie die Einzelnen sich individuell erinnern. Das gibt den Persönlichkeiten so etwas wie eine Zeitmarke in der Weise, wie sie sich in der Welt bewegen. Man kann z.B. eine Kriegsgeneration von einer Nachkriegsgeneration in der Weise unterscheiden, wie sie "Persönliches" erleben, die Wohlstandskinder von den no future-Kindern, die wiederum unter ganz anderen Zwängen leben als die eingeschnürte Adenauergeneration. Deutlich anders sind die Mitglieder ehemaliger staatssozialistischer Gesellschaften in ihrem Erleben, ihren Gewichtungen, der Art, wie sie Erfahrungen zu machen scheinen. Die kollektiven Erfahrungen sind ein Rahmen, in dem sich individuelles Erleben abspielt; aber sie bestimmen nicht vollständig, wie die Einzelnen ihre Persönlichkeiten, ihr In-der-Welt-sein organisieren. So mag etwa für viele aus der Kriegsgeneration der durch grelle Blitze und Donner an ein überdimensionales Feuerwerk erinnernde Nachthimmel eine gemeinsame Erfahrung sein; wer jedoch verbindet Frieden mit einem Krankenhaus, in dem es zum ersten Mal im Leben Milchreis gab, dem darum dieser Beigeschmack von vergangenem Feuerwerk und aus den Fenstern gehängten weißen Laken als Zeichen für das "Sich-Ergeben" auf immer anhaften wird?
So schwierig im Einzelnen die Verbindung zwischen kollektiver Geschichte und individueller Erfahrung aufzuspüren ist, so klar wird ein Kampf um die kollektive Geschichtsdeutung, also um den Rahmen persönlicher Erinnerung geführt. Das ist ein eigenartiger Kampf von oben. Hier arbeiten die Regierungen mit ihren ideologischen Apparaten an der Weise, wie sie in den Geschichtsbüchern dargestellt sein werden, und vor allem, wie Geschichte von den Gesellschaftsmitgliedern erfahren werden soll. So unklar die eigene Persönlichkeitsbildung in der Geschichte ist und so uninteressant sie für große Geschichte zu sein scheint, so eindeutig die Regie, wie Vergangenheit verarbeitet werden soll. Dies ist insbesondere und seit Jahrzehnten zu studieren in den Facetten von Faschismusbearbeitung in Deutschland und in anderen traumatischen historischen Kämpfen in aller Welt.

Erinnern an Auschwitz

Die einige Jahre schon währenden Streitigkeiten um ein Denkmal für die ermordeten Juden in Berlin zieht die Frage des Erinnerns in einen weiteren Kontext von Schuld und Staat, der Rolle von Denkmälern und Gedenkstätten dabei, kurz von Erinnerung als Veranstaltung von oben zur Entschuldung und zur Erziehung der Menschen von unten. Eine Stätte soll geschaffen werden, damit Menschen ihrer Geschichte inne werden mit allen Schrecken und Möglichkeiten. Ich spare an dieser Stelle eine Analyse der wütenden ideologischen Kämpfe um dieses Denkmal und versuche stattdessen Erinnerungsarbeit mit mir selbst in diesem Rahmen.
Ende des Jahres 1996 war ich in China. Dieses Land steckt so voller Denkmäler, dass es fast unmöglich ist, ihnen nicht ständig zu begegnen. Sie werden zur bedrängenden Last, unter der Erinnern als Handlung zerdrückt wird. Pflichtübung. Sie zu besichtigen, tagaus, tagein, gehört zum kulturellen Programm, das Besucherinnen aufgenötigt wird. Eines Tages kamen wir nach Nanking, wo wir vor einem weiteren Denkmal abgeladen wurden: viel Stein, eine lange Mauer mit unendlichen Inschriften: die Namen der von Japanern gemordeten Stadtbewohner und dazu weißer Schotter, der die Knochen der Getöteten symbolisieren soll. Ich versuchte, mich davonzustehlen. Warum sollte ich um die Chinesen trauern, die von Japanern getötet waren? Oder anders, warum sollte ich nicht um sie trauern? Warum sollte ich nicht der Schuld aller Gewalt gedenken, jetzt und immer? Zwischen der Bereitschaft, mich da hineinfallen zu lassen und dem Widerstand, der um einen Rest von Handlungsfähigkeit ringt, entkomme ich in eine weitere Gedenkstätte. Hier wird die Geschichte des kriegerischen Überfalls nachgestellt, in Bildern, in Worten. Ich gehe durch Straßen, ich lasse mich berühren, ich werde erinnert. Ich denke nicht an China, nicht an Japan. Ich denke an das Land, aus dem ich komme, an die Verbrechen von Herrschaft und Krieg dort. Die Parallelen sind so unübersehbar, wie Völkermorde einander gleichen. Aber diese Einlassung macht, dass ich mich in die Opfer einfühle, selber eines werde, Objekt von Aggression, von Hass, von Vernichtung. Offenbar brauche ich Worte, Zusammenhänge, Bilder, um mich zu erinnern. Aber was macht, dass ich in der Erinnerung viele Tode sterben kann, dass ich gelähmt und voller Schrecken erstarre, nicht aber zornig werde, wütend, bereit, etwas zu tun, ständig und immer einzugreifen, dass Vergessen nicht möglich werde, welches Gleichgültigkeit bringt?
Vielleicht ist es eine Berufskrankheit, aber mir scheint immer dringlicher die Erzählung, die Vergewisserung von Geschichte, um Erinnerung zu einer bewegenden Kraft werden zu lassen. Ich überprüfe diese Aussage an der Lektüre eines Romans von Marge Piercy zum Faschismus: Menschen im Krieg (1996). Sie spricht vom Standpunkt der Juden der Welt über den Faschismus in Deutschland. Sie erzählt die Schicksale einzelner Menschen in den vielen in diesen Krieg gezogenen Ländern. Sie erzählt provokativ. Sie berichtet, wie die Ungeheuerlichkeit dieses Krieges Menschen dazu brachte, sich als Menschen zu betätigen, Ungewöhnliches zu tun. Sie zeigt, wie die Einzelnen über sich hinauswuchsen und malt so selbst noch mit den Bildern des Schreckens auch den ganz gewöhnlichen Schrecken, den die "Normalität" den Menschen antut. So schafft sie es, im Schicksal der Schwächsten unter den Verfolgten, der Frauen und Kinder, nicht bloß Geopfertsein zu erinnern, sondern die menschliche Notwendigkeit von Widerstand. Es gibt keine Möglichkeit, diesen Roman bloß aus der Distanz der Geschichte als spät Geborene aufzunehmen. Beim Lesen ist man Teil dieser Leben, ist schwach und schuldig, stark und eingreifend, ist gestorben und wieder lebendig geworden, hat gekämpft und ist nie mehr bereit, im Vergessen einfach zur Tagesordnung überzugehen. So gibt Erzählen der Erinnerung den Stoff, den sie braucht, um eine Kraft zu sein.
Ich versuche mein Projekt Erinnerungsarbeit auch in den Kontext einer Erzählkultur zu verorten, gegen die Absage an Erzählungen aller Art. Erzählen als Mittel der Überlieferung und der Vergewisserung eigener Erinnerung; Erzählen als Kultur, als Ausbildung, als Bewegung, als Aufforderung, nicht zu vergessen.
In die Vielzahl der Abrechnungen nach 1989 gehört nicht nur die mit der Erzählung, sondern darin auch die mit Peter Weiss, der mir in vielem Vorbild und Orientierung war und ist. Einer der Vorwürfe an ihn war der der Heuchelei, da er versuchte, durch einen Besuch von Auschwitz in fiktiver Erinnerung nachzuleben, was er im wirklichen Leben nicht erfuhr. Die Gegenrede war, nur das unmittelbare Selber-leben sei Stoff für Erinnerung. Das Urteil verdammt uns, in bloßer Gegenwart zu verharren, macht alle Versuche, Geschichtsspuren in die Herzen und Gemüter der Menschen zu legen, die "damals" nicht dabei waren, zur abgeschmackten Phrase. Mich bewegend in den Erzählungen und Geschichten unserer Völker, die sich zum großen Teil so dicht in der Seele ablagern, dass schwer bestimmbar wird, wo man Zeit-, wo Wortzeuge war, glaube ich solche Flächigkeit und Schlichtheit der Seele nicht. Die Frage stellt sich vielmehr, mit welchen Mitteln Vergangenes ein Leben in uns erhalten kann.

Der Zeitgeist

Die ideologischen Anstrengungen gegen Erinnerung kulminieren in den letzten Jahren in einem offensichtlichen Paradox. Gerade weil es wohl von großer Bedeutung ist, wie die Einzelnen Vergangenheit wahrnehmen, ihrer Geschichte sich vergewissern, wird ihnen mit großem Aufwand gesagt, dass nichts davon abhänge und daher allein die Gegenwart zähle. Der geschichtslose Mensch ist die Parole des Tages, geeignet, die Gewissenlosigkeit zu entwickeln, welche die Atomisierung und Entsolidarisierung der Menschen und Völker in einer ausschließlich am Markt orientierten Gesellschaft brauchen.
Deutschlands größte konservative Zeitung, die Frankfurter Allgemeine (FAZ), berichtet am 5.5.1998 begeistert über das neue Buch eines französischen Historikers (Rousso, 1998). Die Pflicht zur Erinnerung habe sich für ihn heute in eine intellektuelle Zwangsjacke verwandelt. Rousso bezweifelt das Selbstbewusstsein einer Nation, die sich allzu schmerzlich der Vergangenheit annehme (15ff). Der Autor der FAZ verschweigt Roussos Plädoyer für eine Erweiterung eines Begriffs von Gegenwart, der im Prinzip alle Geschichte einschließt, und eröffnet eines dieser modischen Kampfspiele, in denen Begriffe aufsteigen wie Raketen, nach einer heftigen Karriere vom Thron gestoßen werden, in der Asche ihres einstigen Erfolgs vergraben, um einer neuen Mode Platz zu machen. Erinnerung und Gedächtnis – das waren Begriffe, an die sich Hoffnung, Verzweiflung knüpfte, das Engagement des Nie-wieder. Entsprechend hängt die Frankfurter Allgemeine dem Begriff Erinnerung die Militanz der 68er Jahre an als eine Art Geste, verknüpft ihn schnell noch mit 1989, mit dem "ein obsessiver Hang zur zeitgeschichtlichen Aufklärung" einhergehe und schaufelt behende am Grab dessen, was sie "Gedächtniskult der letzten 30 Jahre" nennt (Ulrich Raulff in FAZ, 5.5.98). Die Strategie, Begriffe als modische Karrieren zu sehen und sich so einen Platz zu schaffen in der Konjunktur, um die selbst mit eingeläutete Krise zum Wiedereinstieg und Aufstieg zu nutzen, ist Teil der Bewegung, die Wissensproduktion dem Markt anzupassen und daher einerseits die theoretischen Köpfe in erbitterte Konkurrenz um Meinungsführung zu treiben und zugleich die Medien und das Publikum demokratisch an der Siegerehrung zu beteiligen. Es werden so immer zugleich mehrere Kampflinien bedient und verschoben. Die Beförderung des allgemeinen Vergessens setzt instand für neue Unternehmungen; die Unruhe, nicht wirklich am Machen von großer Geschichte beteiligt gewesen zu sein und so nicht genau zu wissen, was man davon hat, wenn sie jetzt begraben wird, bevor sie aufgearbeitet ist, wird stillgestellt durch das Angebot von Mitbestimmung. Begriffliche Anstrengung gibt es im Warenhaus, wir alle können durch Nachfrageverhalten das jeweilige Leben mitentscheiden und selbstbewusst mitmachen, Erkenntnis in eine modische Ware zu verwandeln. Es versteht sich von selbst, dass sie in dieser Weise aufgehört hat, für alle gültig zu sein. Sie ist ein Konsumartikel wie die verschiedenen Nudelsorten und ihre Geltung von der Marktführerschaft ihres Unternehmers abhängig, der wiederum von unserer Nachfrage geleitet zu sein scheint. Kein Zweifel, auf dem Markt der Möglichkeiten hat die Erinnerung deutlich an Marktwert verloren.

Das Projekt

Daher betrachte ich etwas kleinlaut die selbst gestellte Aufgabe, in diesem wortgewaltigen Marktgetümmel das Projekt, das ich Mitte der siebziger Jahre, noch zu Hochzeiten der Frauenbewegung, begonnen und Erinnerungsarbeit genannt habe1, hier noch einmal einführend vorzustellen. Erinnerungsarbeit ist viel bescheidener und bedeutend unverschämter als die um Marktwert streitenden Begriffskarrieristen. Es geht um nichts weniger, als darum, Erinnerung zur Befreiung zu nutzen. Während ich dies schreibe, ist mir klar: die Worte sind diskreditiert; sie haben ihren (Markt)wert verloren. Das gilt der Erinnerung gerade jetzt zu Ende dieses zweiten Jahrtausends; wer da noch erfahren werden kann als einer, der sich solchen Begriffs bedient, beweist schon, dass er den Zug der Zeit hoffnungslos versäumt hat; es gilt auf jeden Fall für den Begriff der Befreiung, der im Florettfechten der fleißigen Intellektuellen geradezu ein Synonym geworden ist für altmodisch, ewig-gestrig, Verlierer.
Dennoch: ich kann die Verknüpfung von Erinnerung und Befreiung nicht aufgeben. So versuche ich dem steten Fall der Begriffe entgegenzusteuern durch Konkretisierung.
Zwar ist die individuelle Erinnerung nicht denkbar ohne die kollektive, ist jede persönliche Erinnerung eine, die teilhat am historischen Prozess; aber der Umgang mit Erinnerung in diesem Projekt Erinnerungsarbeit bezieht sich zunächst auf die eigene Vergangenheit, persönliches Erinnern, Fragen auf der Suche nach sich selbst in eigener Biographie, wie sie einem beim Durchblättern eines Fotoalbums entgegendrängt. Damit rückt der Gegenstand dieses Projekt sogleich vom Marktplatz wissenschaftlich honorierbarer Leistung in die Hinterstube der leichteren trivialen Formen. Alltagsgeschichten und Entwurf einer Theorie weiblicher Sozialisation, so hatte ich unser erstes Buch genannt, das noch ganz anfänglich versuchte, aus den erinnerten Erzählungen vieler der Frage nachzugehen, wie wir eigentlich diejenigen geworden waren, die wir heute sind. Auch dieser erste Versuch zeigt schon in der bescheidenen Formulierung die Unverschämtheit des Zugriffs. Was angezielt ist auf dem Boden kleiner persönlicher Erlebnisse, soweit die Erinnerung sie zensierend herausgibt, ist die Herausarbeitung ganz allgemeiner, wenn auch immer vorläufiger Aussagen zur Aneignung von Weiblichkeit in unseren Gesellschaften. Eingeschlossen in diesen selbst gegebenen Forschungsauftrag sind die auf Erfahrung gegründeten Annahmen,
– dass diese Weiblichkeit, für die wir den Begriff Frauenformen fanden, für uns ein Gefängnis ist, aus dem wir uns befreien wollen;
– dass wir dies selber tun müssen und nicht durch andere erledigen lassen;
– dass wir das Wissen darum, wenngleich in vielfach verzerrter, illusionärer, nur halb bewusster, zumeist zensierter Form selber haben, wiederum aus Erfahrung,
– und dass es also der Arbeit mit der eigenen Erinnerung bedarf, um Menschlichkeit, befreitere Zukunft zu gewinnen.
Sehr knapp gesprochen ist Erinnerungsarbeit also ein Forschungsprojekt, geboren mitten in der Frauenbewegung, als sie am stärksten war, ein Aufruf an viele, mehr als ein methodischer Vorschlag, obwohl sie dieses auch ist. Erinnerungsarbeit hat in gut zwei Jahrzehnten vielfältige methodische Verbesserungen, theoretische Zweifel und Erneuerungen, immer weitere Anwendungsfelder gefunden, immer mehr Gruppen eingeschlossen, bis ganz unübersichtlich wurde, wer eigentlich alles, wo und mit welchen Kritiken dazu arbeitete. Lange schon habe ich den Versuch aufgegeben, eine Art Verzeichnis mit Themen und Adressen über die Gruppen zu führen, die, zunächst in Deutschland, später in vielen Teilen der Welt, Erinnerungsarbeit betrieben.
Erinnerungsarbeit ist, wissenschaftlich gesprochen, eine sozialpsychologische Forschungsmethode, politisch gesprochen setzt sie auf ein Kollektiv, das zumindest eigene Befreiung verfolgt, theoretisch beruht sie auf vorgängiger Vernetzungsarbeit verschiedener Disziplinen und Schwerpunkte, von denen Kulturtheorie, Ideologietheorie, kritische Psychologie, Sprachtheorie sicher die wichtigsten sind. Angezielt ist eine Vermehrung des Wissens um weibliche Vergesellschaftung (obwohl die Methode selbst auch allgemein durchführbar ist) bei gleichzeitiger Vertiefung eigener Handlungsfähigkeit.
Bevor ich die in diesem Band versammelten Vorlesungen als einen erfahrbaren Gang durch die Schwierigkeiten und überraschenden Einsichten beim Machen von Erinnerungsarbeit vorstelle, trete ich einen Schritt zurück und rekonstruiere noch einmal das Projekt, gebe uns eine Geschichte, die besser als die in den modischen Auseinandersetzungen geschwächten Begriffe von Herrschaft und Befreiung deutlich machen kann, dass es dennoch genau darum geht, immer noch. Ich erzähle, wie wir2 darauf gekommen sind, Erinnerungsarbeit zu beginnen, zu betreiben, immer weiter zu verfolgen über zwanzig Jahre lang. Die Problematik des Anfangs kann die innere Logik des Weiterschreitens in ihrer Vielfältigkeit verständlich machen. Jedes Hindernis, das wir erfuhren, zeigt die Notwendigkeit theoriegeleiteter Erkundung, jeder Widerstand in der Sache selbst, in uns, in unseren Versuchen musste umgeformt werden in Forschungsanstrengung.

Der Anfang

Die "Wiedereinsetzung der Erinnerung in ihr Recht als Mittel der Befreiung (ist) eine der edelsten Aufgaben des Denkens", verkündet Herbert Marcuse lange vor Beginn der Studenten-, der Frauenbewegung (Marcuse, 1957, 223). Aber wiewohl die Möglichkeit vom schon Gedachten schneller und ausgreifender aufzusteigen in Zusammenhänge von Mensch und Gesellschaft, um die es uns ja ging, in Buchform vielfältig vor uns lag, begannen wir nicht mit solch verführerisch-aufklärerischen Sätzen. Unser Weg war mühsamer, anfänglicher, umwegiger, naiver. Wir begannen mit unerwarteten Schwierigkeiten in uns selbst, mit der Erfahrung eines politisch-kulturellen Schocks.
Es war zu Beginn der "neuen" Frauenbewegung Anfang der siebziger Jahre. "Wir", das war in diesem Fall eine Gruppe sozialistischer Frauen, die sich zusammengefunden hatte, um das, was wir die "Defizite weiblicher Sozialisation" nannten, zu überwinden. Dies in erster Linie, um uns zur Politik zu befähigen, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, um endlich ernsthaft Politik zu machen. Wir nahmen an, dass wir uns in erster Linie ein Wissen aneignen müssten verbunden mit der Fähigkeit, es öffentlich zu artikulieren, – wir begannen mit dem, was wir für unsere Politikausbildung hielten. Eine der beiden ersten Gruppen der neuen Frauenbewegung, der "Aktionsrat zur Befreiung der Frau" in Westberlin, wurde von uns umgebaut in viele kleine Lerngruppen3, in denen wir eine Menge Bücher und Aufsätze lasen und diskutierten, wie dies in den Zeiten der Studentenbewegung üblich war. Wir nannten das Schulung. Unsere Auswahl bezog sich wesentlich auf das Feld der politischen Ökonomie, eben weil wir uns befähigen wollten, in der Politik ebenso kompetent zu sein, wie wir die Männer vermuteten. Es gab zu dieser Zeit, den beginnenden siebziger Jahren, kaum Bücher, die sich direkt auf Frauen bezogen; in unser Blickfeld kamen so nur Engels und Bebel und ein wenig Alexandra Kollontai und Klara Zetkin. Wir kämpften uns durch Engels’ Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats und fügten selbst Marx’ Kapital Band 1 zu unserem Studienmaterial.
In meiner Gruppe waren wir 11 Frauen, und unsere Begeisterung, gemeinsam zu lernen, konnte gar nicht genug bekommen. Wir reisten zusammen, wir verbrachten gemeinsame Wochenenden und zuweilen sogar unsere Ferien, wir kochten und aßen zusammen und durchstreiften die Berliner Kneipen bei Nacht, was zu der damaligen Zeit für Frauen als anstößig galt. Wir organisierten Konferenzen, Demonstrationen, Go-ins, zum Beispiel auf einem vornehmen Ärztekongress, und wir waren Mitorganisatorinnen des ersten Kongresses der "neuen" Frauen in Frankfurt 1972, ein Treffen, auf dem erstmalig Männer nicht zugelassen waren. Dort auch erlebten wir das erste Fest nur mit Frauen, dessen Faszination, ja im Grunde dessen bloße Möglichkeit wir zuvor für ganz ausgeschlossen gehalten hatten. Wir fühlten uns unerhört stark und lebendig.
Bald suchten wir nach einem Ausweg, der selbst auferlegten Regel, nach einem Jahr je einzeln neue Gruppen zu gründen, zu entkommen und zusammenzubleiben, wenigstens noch ein weiteres Jahr. Da kamen wir auf die Idee, ein nützliches Buch zu schreiben, ein Buch für die Bewegung der Frauen, in dem wir unsere gemeinschaftlichen Lernerfahrungen allen Frauen zugänglich machen wollten, damit sie lernten wie wir.
Das Schwierigste schien uns der Anfang. So taten wir das Nächstliegende: wir schrieben zunächst Zusammenfassungen von all den Aufsätzen und Büchern, die wir gelesen hatten und erstellten so eine Art Studienbuch, das, ohne Umschweife gesprochen, ganz und gar langweilig und zudem schlecht geschrieben war. Nichts von der Leidenschaft, die uns beim Lernen beseelt hatte, nichts von der Stärke, die die Gemeinsamkeit vermittelt hatte, nichts von der Bewegung, die wir doch alle gespürt hatten. Aber schlimmer noch, beim wiederholten Durchlesen mussten wir erkennen, dass unser Buch gar nicht vom Lernen handelte und schon gar nicht von den Frauen, die solches erfahren hatten, sondern eben von dem, was wir gelesen hatten, zum Beispiel von der Urgesellschaft, von Jägern und Treibern, vom Staat und vom Wirtschaftswachstum, von Angestellten und von Bildungskennziffern. Wir hatten schon 80 Seiten geschrieben und noch war keine einzige Frau irgendwo aufgetaucht. Das war in der ersten Hälfte der siebziger Jahre; damals war uns schon bewusst, dass die Frauen in der Bewegung, für die wir dieses Buch schreiben wollten, es in neuer Rigorosität, die auf der sichtbaren Anwesenheit von Frauen auch in Texten bestand, keinesfalls lesen würden.
Wir legten das bisher Verfasste beiseite und versuchten uns zu besinnen, wie wir eigentlich zusammen gelernt hatten. Die Erinnerung wollte sich nicht verlebendigen. So gaben wir uns die Aufgabe, je einzeln aufzuschreiben, was ihr bei der Frage des gemeinsamen Gelernthabens einfiel, kleine Geschichten, jähe Erlebnisse, Lust am Lernen, Lernerfolg oder auch Mühe und Unlust.
Wir waren gespannt auf diese neuen Geschichten. Die Hoffnung, dass sie uns einen Schlüssel zu unserem Lernen liefern könnten, beschwichtigte unser schlechtes Gewissen, dass wir uns jetzt uns selbst und so alltäglichen Geschichten zuwandten, statt ordentlich zu forschen. Das wechselseitige Vorlesen dieser Alltagstexte stürzte uns jedoch in den nächsten Schock. Während alle Frauen in der Gruppe, ganz unabhängig von ihrem Bildungshintergrund, inzwischen in der Lage waren, ein wissenschaftliches Buch oder einen Aufsatz in klaren Worten zusammenzufassen, waren die Geschichten aus dem eigenen Leben äußerst schlecht geschrieben wie ehedem Schulaufsätze. Sie stotterten herum, wo es um Gefühl und Vernunft ging. Und, was für uns das Schlimmste war, sie erwiesen sich als tief verwurzelt in eben den gesellschaftlichen Verhältnissen, in den Werten und der Ideologie, die wir überwinden wollten. Sie sprachen gewissermaßen mitten aus einem ideologischen Commonsense, waren verankert in der herrschenden Kultur und waren doch von uns geschrieben, die wir uns klug und geschult gedacht hatten, fähig, andere zu belehren. Kurz: wir hatten ungeprüft angenommen, dass wir über die Verhältnisse erhaben seien und anderen, weniger Glücklichen, helfen müssten, sich ebenfalls zu erheben.
Aus diesem schweren Schock, uns selbst als Kinder dieser Verhältnisse zu erfahren, zogen wir fünf wichtige Lehren, die so etwas wie grundlegende Theoreme und der Anfang von Erinnerungsarbeit wurden.
Ich fasse knapp zusammen:

1. Es war falsch, uns als so etwas wie die "Avant-Garde" der Frauenbewegung zu denken, was wir, wenn auch nicht so deutlich ausgesprochen, implizit angenommen hatten. Wir trugen als Kinder dieser gleichen gesellschaftlichen Verhältnisse die gleichen Male, trafen auf die gleichen Hindernisse, hatten die gleichen Mängel und Möglichkeiten wie die meisten anderen Frauen. Diese Einsicht veränderte auf lange Sicht unsere Politik und änderte für mich zugleich die Vorstellung, wie Forschung zu betreiben wäre. Wir konnten uns selbst als "empirisches Material", als "Gegenstände" unserer Forschung betrachten, wenn wir wissen wollten, wie weibliche Sozialisationsprozesse geschehen. Das machte den Forschungsprozess sogleich leichter und schwieriger.
2. Wir müssen annehmen, dass die herrschende Kultur und Ideologie auch durch uns selbst reproduziert werden. Also müssen wir im gleichen Zug diese Bereiche studieren und erforschen, wie wir als Produzentinnen des Kulturellen und des Ideologischen tätig sind und wie wir dies erfahren.
3. Wir lernten auch auf schmerzhafte Weise die Politik der Sprache. Früh erfuhren wir also praktisch, dass Sprache nicht einfach ein Werkzeug war, dessen wir uns besser oder schlechter bedienen konnten, sondern dass sie mit uns Politik machte, wir also zugleich Subjekt von Sprache waren, sie ein Instrument, wie ihre nicht vollständig bewusste Stimme, deren sie sich bediente, wir ein Instrument.
4. Der Umstand, dass wir unfähig waren, über Frauen zu sprechen, wenn wir Lerntheorien und Theorien von Gesellschaft, Kultur usw. nachzeichneten, war nicht nur unser Fehler, sondern verdankte sich der vollständigen Abwesenheit von Frauen in eben diesen Theorien, die es von da an in erster Linie kritisch zu bearbeiten galt.
5. Ein riesiges unbekanntes Land, das Wissen, wie Frauen sich in Gesellschaft hineinarbeiten, lag vor uns, und wir als Frauen waren die Expertinnen, die "wussten", wie das getan wurde, weil wir selbst es Tag und Nacht lebten.
Diese Einsichten waren zugleich schmerzhaft und faszinierend. Wenn wir uns selbst als Teil dieser gesellschaftlichen Verhältnisse dachten, die wir als irgendwie uns äußerliche und von uns unabhängige Strukturen zu kritisieren gelernt hatten, mussten wir uns demnach als Persönlichkeiten wahrnehmen, welche eben diese Gesellschaft reproduzierten, in die wir mit Herz und Verstand, mit Gefühl und Vernunft verstrickt waren. Es war schwierig, unsere Politik zu ändern, aber es war faszinierend, uns plötzlich selbst als Forschungsfeld zu entdecken und andere Frauen im ganzen Land und auch im Ausland zu überzeugen, ebenso zu verfahren. Wiederum war es unerhört schwierig, die Selbstverständlichkeit, mit der wir uns unhinterfragt wahrgenommen hatten, zu ändern, in eine gewisse Distanz zu uns zu gehen, mit unseren Gefühlen zu arbeiten ebenso wie mit der Weise, wie wir spontan Alltag dachten und wie wir eine Verbindung zwischen Gefühlen und Haltungen und Alltagsleben vermuteten. Dies war die Geburtsstunde von Erinnerungsarbeit.
Ich habe diese Arbeit inzwischen über zwei Jahrzehnte in immer anderen Bereichen und immer wechselnden Forschungsgruppen getan; wir schrieben und veröffentlichten neun Bücher, von denen zwei ins Englische übersetzt wurden4. Wir nannten das Forschungsprojekt in seiner Gesamtheit Frauenformen. Der Begriff sollte verschiedene theoretische Einsichten zusammenfügen. Er ist Anspielung an die Kategorie der Individualitätsform, die der französische Philosoph Lucien Sève in seiner Persönlichkeitstheorie vorgeschlagen hat (Sève, 1972) und verweist damit auf die fertigen Formen, welche die einzelnen Individuen in jeder Epoche vorfinden, und in die hinein sie ihre Persönlichkeiten entfalten können und müssen. Damit sind die eigenen Aktivitäten ebenso eingeschlossen in die Untersuchung wie die Bedingungen, die die Einzelnen vorfinden – Formierung ebenso wie Selbstformung. In dieser Weise baut Sève für unsere Forschungszwecke den Marxschen Formbegriff aus. Aber der Begriff transportiert zugleich eine Zusatzbedeutung: Frauenformen, das sind auch diese Idealmaße, in die Frauen sich hineinzwängen, körperlich ebenso wie seelisch, es sind die Idealisierungen und ihre Wirklichkeiten und zugleich die Träume und Hoffnungen von Selbstverwirklichung, je historisch verschieden. Mit jeder neuen Untersuchung haben wir die Forschungsmethode verändert und auch verbessert. Sie ist weiter in Bewegung, ist so selbst ein Prozess.
Die wesentlichen Dimensionen in diesem Zusammenhang haben nicht aufgehört, mir mein lebenslanges Forschungsprojekt zu sein: Methodenfragen, Sprache und Kultur, Lernen und vor allem die dringliche umfassende Frage, wie wir wirklich diese jetzige Gesellschaft in all ihren Umbrüchen, in ihren Schrecknissen und ihren Möglichkeiten, wie wir ihre Herrschaftsverhältnisse reproduzieren, wir als Individuen und wir als Frauen. Diese Frage weist für mich weit über den modischen Abschied an die Möglichkeit, von Frauen zu sprechen (im Plural) und so ein kollektives Subjekt zu unterstellen, hinaus. Die Frage, wie die Geschlechter und ihre Konstruktion, wie die Geschlechterverhältnisse gesellschaftliche Triebkräfte sind und sie selbst blockieren oder vorantreiben, muss die Möglichkeit, von Frauen als Teil dieses Zusammenhangs zu sprechen, voraussetzen. In dem fraglos bunten Gemisch an Realisierungen von Frausein in Gesellschaft will ich ein Verbindendes in den Positionierungen zum anderen Geschlecht voraussetzen, das es mir allererst ermöglicht, die vielfältigen Besonderheiten zu studieren und Befreiungspotentiale zu entdecken.

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