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Dominique Manotti
Madoffs Traum

Gebunden
Deutsch von Iris Konopik
Argument· Ariadne Literaturbibliothek
64 Seiten · 8 € · ISBN 978-3-86754-401-6


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Wer hat Angst vor Bernie Madoff?

»Wie es angehen, wo beginnen, wenn man ein mittelloser junger Mann ist? Die ersten Sprossen der Leiter, die ersten Millionen sind am schwersten einzunehmen. Später, wenn man weit oben angekommen ist, macht man einen ganzen Roman daraus, man erzählt: Ich habe mit nichts angefangen, ich habe mein Geld Groschen für Groschen verdient, im Schweiße meines Angesichts. Ich allerdings war pragmatisch, realistisch, ich glaubte nicht an diese Märchen, außerdem hatte ich es eilig. Auf meine Familie konnte ich nicht zählen, ich war kein Erbe, und ich wollte keine Zeit verlieren. Also bin ich sehr jung in den Stand der Ehe getreten. Ich habe meinen Schwiegervater geheiratet. Mit seinem Geld und seinem Adressbuch habe ich meine eigene Wertpapierfirma gegründet. Ich war 22 Jahre alt und hatte keine genaue Vorstellung, wie ich es anstellen sollte, das große Geld zu machen.«

Dies ist die Erzählung des US-amerikanischen Wirtschaftsverbrechers Bernard Madoff, der bei einer Fehlspekulation etliche Prominente um Millionen brachte und dafür zu 150 Jahren Haft verurteilt wurde. Bernie Madoff betrachtet sich als Pionier der New Economy. Vom Gefängnis aus blickt er zurück, erzählt unbefangen von seinen Überzeugungen und seinem Werdegang. Wir begegnen hier einem der berüchtigten »Wall Street-Wölfe«, erhalten Einblick in seine Denkweise, seine Abenteuerlust, seine Erfolge – und die durch Reagans wirtschaftliche Freibriefe in den 1980er Jahren kräftig geschürte Goldgräberstimmung in der amerikanischen Bankerszene. Madoff, von der US-Presse zum Monster erklärt und 2009 vor Gericht schuldig gesprochen, sieht sich keineswegs als Übeltäter. Er ist vielmehr überzeugt, Opfer einer Hexenverbrennung geworden zu sein: Das System sucht sich einen Sündenbock, damit dann alles so weitergehen kann wie bisher … Dominique Manotti zaubert aus Madoffs fiktiven Memoiren ein erhellendes Lehrstück über Börsenmakler, Finanzprodukte, Spekulationsbetrug, Pyramidengeschäfte und Hedgefonds. Denn Manottis Madoff schwadroniert und doziert, reuelos und selbstgefällig, aber keineswegs ohne Geschichtsbewusstsein. Manotti selbst sagt über diese Novelle, die sie für ihren besten Text hält: »Am Anfang stand eine Riesenwut gegen das Einheitsdenken. In ausnahmslos allen Zeitungen bedauerte man Madoffs unglückliche Opfer – lauter geldgierige Superreiche, von denen sich die meisten längst die Taschen gefüllt hatten. Ich ging ins Internet und stieß auf eine Fülle an aufschlussreichen Dokumenten, die sich kein Journalist besorgt hatte. Als ich mit Recherchieren fertig war, floss der Text wie von selbst. Wenn ich je einem Werk nahe gekommen bin, in dem kein Wort zu viel ist, dann bei diesem. Kurz, schlicht, leicht: Es ist purer Plot, ein reiner Pfeil, eine Skizze.«


Dominique Manotti Dominique Manotti, 1942 geboren, ist Historikerin. Sie lehrte an Pariser Universitäten Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit, war als Gewerkschafterin in der CFDT aktiv und leitete als Generalsekretärin deren Pariser Sektion. Frustriert von der politischen Perspektivlosigkeit der Mitterand-Ära begann sie mit fünfzig, Romane zu schreiben. Ihre Bezugspunkte sind der amerikanische Schriftsteller James Ellroy, die neuzeitliche Wirtschaftsgeschichte und die 68er­Bewegung. Diese ungewöhnliche Kombination begründet Manottis dichten, unpathetischen Stil. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Literaturpreisen geehrt, u.a. dem Duncan Lawrie International Dagger, dem Deutschen Krimipreis International, dem Prix Mystère de la Critique und der Trophée 813.


Weitere Veröffentlichungen von Dominique Manotti

Dominique Manotti: Letzte Schicht

Dominique Manotti: Roter Glamour

Dominique Manotti: Einschlägig bekannt

Dominique Manotti: Das schwarze Korps

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