NEUERSCHEINUNGEN                                           Verzeichnis aller lieferbaren Ariadne-Titel nach Autorinnen: A B C D F G H J K L M N O P R S W


Marge Piercy
Donna und Jill
roman ariadne 4008
ISBN 3-88619-482-5
Auf die Merkliste
(jederzeit widerrufbar)
Aufruhr, Gewalt und Leidenschaft

Jill, Tochter einer jüdischen Arbeiterfamilie in der Industriestadt Detroit, hat ein in Straßenbanden gehärtetes Selbstbewusstsein und einen durch Bücherverschlingen geschärften Verstand. Das Verlangen, der heimischen Enge zu entkommen, treibt sie zum Lernen und aufs College. Gemeinsam mit ihrer Kusine Donna erschließt sie sich das trubelige Studentendasein. Der selbstsichere Mike wird Jills erste große Liebe, während Donna promisk und voller Selbstzweifel mit ihrer katholischen Erziehung ringt. Jills und Mikes erste Versuche mit Sex strotzen von Unbeholfenheit, doch Körper sind lernfähig – bis ihre Mutter Verdacht schöpft und eine Intrige anzettelt, um Jill und Mike zum Heiraten zu zwingen …

Entwicklungsroman und historische Frauensaga: Donna und Jill schildert das Erwachsenwerden einer impulsiven jungen Frau, die aus den Normen ihrer Zeit ausbricht. Lebhaft und überraschend humorvoll beschreibt der Roman die nicht enden wollenden Kämpfe zwischen Mutter und Tochter und die Auseinandersetzung der Heranwachsenden mit neuen Erfahrungen, Ideen und Wünschen: Jills Schritte ins selbstbestimmte Leben sind eine realistische Inszenierung mit satirischen und tragikomischen Einlagen und großen dramatischen Höhepunkten.
Weltrang-Literatin Marge Piercy hat alle Register ihres schriftstellerischen Könnens gezogen: Jugend in den 50ern, Liebe, Sex, Abtreibung, Freundschaft und Verlust … Drastisch, packend, mit Witz und Verve schildert Piercy das Streben nach einer selbst-bewussten Identität als Frau in der Mitte des 20. Jahrhunderts, erzählt die bewegte Geschichte der Frauenpolitisierung als gelebtes Leben – die mitreißendste historische Referenz zum Thema Abtreibung in der Literatur des 20. Jahrhunderts und zugleich ein spannendes Dokument weiblicher Aktivität in der Reproduktion und Emanzipation von Frauenunterdrückung. Ein unter die Haut gehender Roman zum Fäusteballen, Lachen, Weinen und Sich-Erinnern.


»Donna und Jill bietet Feminismus ohne Selbstweinerlichkeit; Poesie, ohne Politik zu ignorieren; viel Sex, ohne die Suche nach Liebe aufzugeben, und Realismus, ohne zynisch zu werden.« Dorothee Sölle

»Piercys Figuren sind mit so viel Mut und Überlebenswillen ausgestattet, verletzbar und verletzt – doch nie ohne Rückgrat und Humor.« Emma





Leseprobe

Ich habe ein Gefühl, als hätte ich unwegsames Gelände und Ödland um Fabriken und unbeschilderte Großstadtstraßen ohne Karten durchwandert, und ich weiß und weiß auch wieder nicht, wo ich gewesen bin. Ich möchte es jemandem erklären. Mir? Josh? Der imaginären geneigten Leserin? Es ist nicht das ganze geschäftige, wimmelnde Leben, durch das ich hindurch muss, sondern jene wenigen Jahre, in denen ich zu der Frau wurde, die ich irgendwie in allen Wetterumschwüngen und Wechselfällen geblieben bin. Ich will jene von Flammen verwüstete Gegend aufsuchen, in der ich zu lieben lernte – in Freundschaft und in Leidenschaft – und zu arbeiten.

Dann hinein. Es ist März 1953. Ich bin sechzehn, werde bald siebzehn. Der Koreakrieg scheint auszu-laufen; die Rosenbergs sind verurteilt und warten in ihren Zellen; Eisenhower ist seit Januar Präsident, und Washington stößt jeden Abend in den Nachrichten graue Nebelwolken aus; in Detroit sind die Zei-ten für die Fließbandarbeiter recht gut. Lassen Sie dazu in Ihrem Hinterkopf Pfeifer und Trommler eine muntere Begleitmusik spielen. Das Mädchen – ja doch, ja – ich spaziere von Schwelle zu Schwelle zwischen Gleisen, die der Rost orange gefärbt hat, während zu meiner Linken die glänzenden Gleise verlaufen, auf denen noch jede Stunde Dieselzüge vorbeirasen. Struppige Stengel vom vorjährigen Unkraut streifen meine Jeans, zwischen den Gleisen stehen Pfützen vom gestrigen Regen. Nicht mal ein Eisrand heute. Mutter war dagegen, mir vor der Oberschule einen Büstenhalter zu verpassen, des-halb entwickelte ich zu meinem Schutz Hängeschultern und meinen Gang: ein rasches, gleichmäßiges Gleiten, das mich immer noch fast ein wenig verstohlen in Zimmer hinein- und wieder hinausträgt, denn ich bin klein, dunkel und bewege mich rasch. Allein schreite ich in ganz schönem Tempo aus, vorbei an den Bretter- und Drahtzäunen von Holzhäusern, die in Reihen aufgestellt sind wie an-geschmuddelte Kuchenstücke. In dieser müllnarbigen Steppe, diesem Gestrüpp spielten Callie und ich Entdecker und Forscher und Bankräuber und Sturmtrupp. Dort fanden wir einen toten Fasan und bestat-teten ihn feierlich trotz der Maden, fanden niedergetrampelte Stellen und weggeworfene Kondome, fanden einen Wurf kleiner Kaninchen, die wir nicht vor einem Hund retten konnten. Letztes Jahr kam Callie in Schwierigkeiten und ging von der Schule ab. Im Gehen trauere ich um die Callie von zwölf, deren schlaksige Rüpelrevolte sich mit Phasen langer lila Fingernägel abwechselte und dem Brüten über Klatschillustrierten, die wir in Supermärkten klauten. Das Brausen eines Zuges trifft mich und ich schrecke zusammen, denn ich habe ihn auf den guten Gleisen nicht kommen hören. Wuusch-klick, wuusch-klick donnern die Waggons vorbei, Santa Fe, Chesapeake, Südpazifik. Ich möchte fort, weit fort.

Die romantischen Güterzüge meiner Kindheit. Callie und ich rannten neben ihnen her und schrien die Bremser an, bis sie uns Kreidestücke zuwarfen, so dick wie unsere knochigen Handgelenke. Mit der Kreide beschrifteten sie die Waggons. Bestens für Hopse und um unanständige Wörter an Häuserwände zu kritzeln. Ich träumte von Meeren und Gebirgen und wusste nicht, dass unsere Gleise zur Detroiter Lokalbahn gehörten, die Frachtgüter von einem Sackbahnhof der Innenstadt zum anderen schob. Callie wanderte ’61 hinter Gitter, weil sie ihren Ehemann mit seiner eigenen Polizeiwaffe erschoss, als er ihre Tochter die Treppe hinunterwarf. Ich meine, heute könnten wir daraus einen Musterprozess machen, aber damals konnte ich nichts weiter tun als sie per Anhalter besuchen fahren. Sie bekam lebenslänglich.


Autorin

Marge Piercy wurde 1936 in Detroit geboren. Die US-Bestsellerautorin schrieb 17 Romane, über 20 Gedichtbände und ihre Memoiren. Ihre Prosa wurde in 16 Sprachen übersetzt.
Donna und Jill enthält viel Autobiographisches sowie Impulse aus Piercys mehrfach ausgezeichneter Lyrik.

Weitere Titel von Marge Piercy finden Sie, wenn Sie im Bereich Recherche das Suchwort
"
Piercy" oder "Piercy, Marge" eingeben.

Argument Verlag GmbH | Glashüttenstraße 28 | 20357 Hamburg | Impressum | AGBs | Widerrufsbelehrung