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Anja Kemmerzell/Else Laudan (Hg.)

Das Wort zum Mord
Wie schreibe ich einen Krimi?

4. Auflage

Ariadne[Leit]Faden
Argument Verlag mit Ariadne
ISBN 3-88-619-717-4 ·  12,90

Vorbemerkung

Inhaltsverzeichnis


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WAS BOOMT UND WAS GELESEN WIRD

Das Wort zum Mord war kaum neun Monate nach Erscheinen zum ersten Mal vergriffen. Hervorragende Pressebesprechungen, viel persönliches Feedback und immer wieder neues Medieninteresse zeigen, dass dieses Lese- und Arbeitsbuch einen so hohen Gebrauchswert hat, wie wir hofften und bieten wollten.

Gute Spannungsliteratur wird immer ihre Leserinnen und Leser finden. Während weibliche Hauptfiguren mittlerweile keine Ausnahme mehr darstellen, auch keine besondere Aufmerksamkeit mehr erregen, und der Markt überquillt von angloamerikanischen Krimis und Thrillern jeder Fasson, kann eine exzellente deutsche Autorin immer noch für Aufsehen sorgen – vorausgesetzt, sie hat Talent, das nötige handwerkliche und sprachliche Knowhow sowie ein gutes Gespür für Originalität.

Es ist seit einigen Jahren viel die Rede von Regionalkrimis, die sich relativ gut verkaufen lassen und daher auch von Verlagen gern genommen werden. Ob diese Tendenz anhält, bleibt abzuwarten: Die Beliebtheit regional verankerter Stoffe liegt vor allem am hohen Wiedererkennungsfaktor – es ist immer leichter, ein Buch zu verkaufen, wenn man einen sicheren Anknüpfungspunkt hat, sei das nun »Diese Amateurdetektivin hat im Alltag denselben Beruf wie Sie« oder »Dieses Buch liegt politisch auf Ihrer Linie«, oder eben »Dieser Roman spielt hier in unserer Gegend«, was natürlich die Dinge vereinfacht, weil es am wenigsten Vorwissen über die Leserin voraussetzt. Lehrreich daran ist hauptsächlich die Erkenntnis, dass eine ambitionierte Autorin sich Gedanken über Anknüpfungspunkte machen sollte. Die genießerische Krimileserin interessiert sich für ein Buch, wenn es irgendetwas mit ihr zu tun zu haben verspricht. In diesem Buch ist daher oft die Rede vom Identifikationspotenzial, das den handelnden Figuren, ihrer Motivation, dem gewählten Milieu usw. innewohnen muss, und von der Glaubwürdigkeit, die der kundigen Leserin das Geschehen erst plausibel macht. Handwerkliche Tricks zu beherrschen genügt nicht: Wenn niemand Ihren Krimi auf sich selbst bezieht, wird er zum Ladenhüter. Je näher Sie mit Ihrer Geschichte an die persönliche Welt der Lesenden herankommen, desto stärker können Sie sie involvieren und faszinieren. Das steckt hinter dem Mythos vom »Boom« der Regionalkrimis.

Wir danken all unseren Autorinnen und all unseren Leserinnen für ihre ungetrübte Lust am Genre Krimi und für ihr Vertrauen in unsere verlegerische Kompetenz. Wir haben uns das Innovative und das Politische auf die Fahne geschrieben und genießen es, diese Anliegen bis heute weiterzuverfolgen. Möge der Spaß am subversiven literarischen Mord nie ein Ende haben.

Else Laudan

Vorbemerkung

Das Wort zum Mord – Wie schreibe ich einen Krimi? ist keine Gebrauchsanweisung für literarischen Erfolg, sondern ein Lese- und Arbeitsbuch. Es skizziert das Genre Kriminalroman und seine besonderen Vorzüge und Anforderungen. Es illuminiert pragmatisch den Schreibprozess und das Zubehör. Es öffnet eine umfangreiche Trickkiste, gefüllt mit Tipps, Erfahrungen und Vorschlägen von Lektorinnen, professionellen (und semiprofessionellen) erfolgreichen Krimiautorinnen und anderen Expertinnen der Literaturwelt. Die so entstandene Mischung aus Technik und Erfahrung, aus Theorie und Praxis kann durchaus Lust aufs Schreiben machen, zeigt aber auch, womit Schreibende Lektorat und Publikum garantiert gegen sich aufbringen.

Ziel dieses Buchs ist zum einen, SchreibanfängerInnen eine Hilfestellung zu bieten – hier erfahren Sie, was Sie unbedingt beachten müssen, was Sie tunlichst vermeiden sollten und natürlich auch warum. Schon klar, ein sicheres Sprachgefühl entsteht nicht durch das Lesen eines Arbeitsbuchs, aber bestimmte Kenntnisse und Routinen kann man sich durchaus aneignen. Wir wollen versuchen, erzählerische Ursache-und-Wirkung-Zusammenhänge zu erläutern, den Blick für Begriffe und ihren Effekt zu schärfen, vor den verhängnisvollsten Fehlern zu warnen und auf bestimmte produktive Techniken zu verweisen. Zur Verdeutlichung gibt es reichlich Beispiele und demonstrierende Passagen sowie praktische Übungen, um die Arbeit am eigenen Text zu unterstützen.

Zugleich soll dieses Buch aber auch Genre-Fans befriedigen, die Lust auf einen Blick hinter die Kulissen haben. Ihnen liefern wir eine veritable Autopsie des Krimischreibens: Beliebte Autorinnen geben erzählende Einblicke in ihre Arbeitsweisen, beantworten Fragen, wie sie bei Lesungen oft gestellt werden, und enthüllen die Beschaffenheit des Bodens, auf dem ihre DetektivInnen wie auch ihre Kriminellen gedeihen.

In der Kriminalliteratur ist der Einfluss des englischsprachigen Raums überwältigend. So werden Ihnen nicht nur zahlreiche übersetzte britische und US-amerikanische Beiträge, sondern auch viele der englischen Sprache entliehene Begriffe begegnen: »Hooks«, »Red Herrings« und »Suspense« künden von der stolzen Tradition eines Genres, das hierzulande noch immer mit Pubertätsproblemen zu ringen hat. Wiewohl wir solche Wendungen erläutern, deutschen wir sie nicht ein, da eine Übersetzung ihre Präzision schwächt und sie vom gattungstypischen Kontext trennt, so wie man auch in der Rockmusik von Popsongs (und nicht von Volksliedern) spricht.

Wir haben Fachfrauen und Autorinnen gebeten, sich an diesem Projekt zu beteiligen – vor allem solche, die selber regelmäßig oder gelegentlich Schreibwerkstätten veranstalten oder Seminare leiten. Alle haben mit überwältigendem Enthusiasmus reagiert und wundervolle, erhellende Beiträge zu diesem Buch geliefert. Danke, Kolleginnen! Möge das Ergebnis helfen, das Verständnis von Kriminalliteratur in diesem Land zu verbessern, und neuen schriftstellerischen Talenten den langen Weg zum fertigen Krimi leichter machen.

Anja Kemmerzell und Else Laudan


Inhalt

1. J.M. Redmann: Einführende Anmerkungen zum Krimischreiben

2. Die Form – das Genre
The American Way

3. Das Thema

4. Milieu
Patricia Hall: Krimis gegen das Schweigen
Exotik hat ihren Preis

5. Das Krimi-Personal
Val McDermid: Die Entwicklung von Figuren
Hamlet oder Hannibal Lecter? Katherine V. Forrests Tipps zur Personenbeschreibung
Kein Chinese oder was der Colonel zum Frühstück isst: Monika Geier über Nebenfiguren und Verdächtigenkreise

6. Der Plot 57
Der Bückling. P.M. Carlson über Hinweise, falsche Fährten und anderes Plotwerkzeug
Ann Camones: À la Matrjoschka
Verbrechen und Motiv

7. Der Stoff aus dem die Spannung ist
Handlungsführung und Suspense
Katherine V. Forrest: Wo des Krimis Würze liegt
Handlanger und Feinde des Suspense: Hooks und Redundanzen

8. Erzählperspektive
Katherine V. Forrests Checkliste: Wie Sie die häufigsten Perspektivenfehler vermeiden

9. Der Startschuss von Katherine V. Forrest

10. Das Handwerk und seine Tabus
Katherine V. Forrest: Neun Methoden, Lektorin und Leserin in den Wahnsinn zu treiben
Bewusste Verwendung von Sprache im Kriminalroman

11. Dialog und Fließtext
Katherine V. Forrest: Dialoge
Katherine V. Forrest: Hintergrund und Beschreibung
Wegweiser im Labyrinth: Absatzschaltungen

12. Sonstige Kniffe
Literarische Undercover-Agentinnen: Subtexte
Katherine V. Forrest: Ein halbes Dutzend abschließender Ratschläge
Last, but not least: Das Ende

13. Hammer, Zange und noch eine Übung
Der Werkzeugkasten
Übung: Wörter sieben

14. Nach dem Schreiben
Verlagsleben 1: Die Post ist da
Sylvia Englert und Petra Hermanns: Das Manuskript ist fertig – und dann? Anmerkungen aus der Praxis für das Anbieten von Manuskripten
Verlagsleben 2: Es war einmal ...

15. Anhang
I. Weiterführende Literatur
II. Internet-Tipps und Netzwerkarbeit
III. Der Ariadne-Fragebogen
IV. Zu den Autorinnen in diesem Buch

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