NEUERSCHEINUNGEN                                           Verzeichnis aller lieferbaren Ariadne-Titel nach Autorinnen: A B C D F G H J K L M N O P R S W

Lisa Kuppler (Hg.)
Tödlichs Blechle
Ariadne Krimi 1164
ISBN 3-88619-894-4
Auf die Merkliste
(jederzeit widerrufbar)

Schwaben, deine Mörderinnen!

Ariadnes zweite schwäbische Krimi-Anthologie bietet erneut kriminelle Köstlichkeiten rund um den Neckar: Tödlichs Blechle ist die neue Sammlung mörderischer Kurzgeschichten aus dem Ländle. Die Schwaben sind ein besonderes Völkchen, sie essen, lieben und morden auf ihre ganz eigene Art …

Orte der Handlung: Stuttgart mit seinen Verkehrsmitteln, seinen Straßen, Plätzen und Bauten, Untertürkheim, Killesberg, Oberkirch, die schwäbische Obststreuwiese, die Filder, Bad ­Wimpfen, Insel Mainau, der Bärensee und Schwäbisch Hall.


Inhalt:

Christine Lehmann Das Vesperbrett
Madeleine Giese Alles für die Katz
Cornelia Arnhold Fire and Ice
Nessa Altura Marlene und das Dreifarbenhaus
Anita Konstandin Mord auf dem Killesberg
Martina Fiess Der letzte Elfmeter
Sabine Thomas Romeo und die Dancing Queen
Fanny Morweiser So war das mit Herrn Taube
Ulrike Blatter Frauenschuh
Monique Cantré Im Eis des Bärensees
Anja Kemmerzell Hidden Star
Katrin Kremmler Kirschendiebe
Eva Klingler Wenn es Mord wird in Stuttgart
Tatjana Kruse Schwäbisch Haller Schrecksekunden


Leseprobe

Christine Lehmann

Das Vesperbrett


Das hieß jetzt Stadtbahn und schloss die Türen mit einem energischen Pfffft-Tak-Tak. Dagegen hatte der Türschluss der alten Strambe dem Stoßseufzer einer alten Frau geglichen, wenn sie das Bügeleisen aufs Brett stemmte, um am Hemd ihres Mannes die sich immer wieder emporkrümmende Kragenspitze zu plätten. Die alten Straßenbahnwagen waren auch noch formschön wie Nierentische gewesen, konisch geschnitten, hoch und so schmal, dass es nur Platz für Zweierbänke auf der einen und Einersitze auf der anderen Seite des Gangs gegeben hatte, in denen man sich auf rotem Kunstleder gegenübersaß, das die Bahn mit einem kratzigen Geruch nach Öl und Ordnungsmacht füllte.
Zwischen den verzahnten Knien zweier schwäbischer Hausfrauen und eines Rentners hatte man sich entweder zum Fensterplatz durchgequetscht oder sich auf der anderen Seite einem Rotzbengel gegenübergesetzt, der das Bein in den Gang grätschte. Zwischen mir und meinem Gegenüber immer das ovale Vesperbrett am Fensterrahmen und die stumme Frage, wer wohl den Unterarm auflegen würde. Eine Frage unverbrüchlicher sozialer Gesetze wie Stein-Schere-Papier. Rotzbengel schlägt Backfisch, Alte schlägt Rotzbengel, und der Rentner schlägt sie alle, weil ihm der Ranzen so schwer auf den Knien hängt, dass er mit dem Arm kaum woanders hinkann.
In der Stadtbahn ist das Vesperbrett zu einem handgroßen Trapez geschrumpft, auch die schwäbische Hausfrau ist im Rückgang begriffen. Die Rotzbengel tragen Skaterhosen und Baseballkappen. Die Sitze sind mit grün kariertem Wohnzimmerplüsch ­bezogen.
Der Kosmos, den ich am Stöckach bestieg, bestand aus Türkinnen mit Kopftuch, einem Schwarzen, einem jungen Herrn im Anzug, Müttern ohne Kinder mit Romanen oder Zeitschriften, Seniorinnen mit Taschen, Rentnern und Schülern, die mit ihren Handys spielten. Der Dealer mit der Rolex und dem Goldkettchen war auf der Plattform zwischen den beidseitigen Türen stehen geblieben.
Ich ließ mich ans Fenster fallen, gegenüber einer jungen Frau mit regenfeuchtem Rucksack auf den Knien. Neben ihr am Gang wackelte eine Alte im Regenmantel mit violettem Wollhut auf den silbrigen Haaren, schief wie eine auf einer Fensterbank vergessene Kerze am Ende eines Sommers. Halt gab ihr beim Ruckeln der Bahn das Ankergewicht der beiden Einkaufstaschen zwischen den Füßen. Für diese Beine in den fleischfarbenen Strumpfhosen war es sicherlich ein Segen, dass es in die Stadtbahn vom Hochbahnsteig ebenerdig hineinging. Stuttgart hatte auf die Niederflurbahnen nicht warten wollen und überall Hochbahnsteige gemauert, mit Rampen, die eine Mutter mit Kinderwagen nur im Anlauf nehmen konnte. Und dann nicht zaudern, sonst wurde sie vom Kinderwagen überrollt.
Die Bahn ruckte natürlich nicht mehr wirklich, wenn sie anfuhr, und die Alte kippte nicht von der Bank in den Gang. Aus meinem Blick schoben sich der Bunker der Staatsanwaltschaft auf der einen Seite und die gelben und roten Klinkerfassaden über den Reinigungen und Änderungsschneidereien auf der anderen Seite weg in den Regen Richtung Funkhaus und Mineralbäder, während die Bahn schon die Nase senkte und der Beton der Tunneleinfahrt an den Fenstern emporstieg.
»Nächster Halt: Neckartor«, sagte eine Frauenstimme vom Band. In der alten Strambe waren die Stationen vom Fahrer angesagt worden, zu früh oder zu spät, oft gar nicht. Unter das Knistern der Verstärkertechnik hatte sich seine Tagesverfassung gemischt oder die ganze Schwere des Seins. Der Bobser war zu einem existenziellen Ächzen mutiert.
»Wer deckt heute noch einen Tisch richtig?«, murmelte die Alte und zupfte an ihren Taschenhenkeln. »Heutzutage kommt das Essen aus der Mikrowelle und man schlabbert alles mit der Gabel aus Plastikschalen.«
Die junge Frau mir gegenüber schickte einen kurzen Blick hinüber, ich studierte die Regenschlieren, die der Fahrtwind aufwärts bog.
»Meine Mutter hat noch jeden Tag, den der Herrgott hat werden lassen, eingedeckt, immer mit dem Rosenthal Pompadour Titian. Und ich konnte schon die Serviette zur Bourbonenlilie falten, bevor ich schreiben und lesen konnte.«
Die schwarze Tunnelwand machte das Fenster zum Spiegel, in dem ich nicht nur meine ablehnende Miene sah, sondern auch, dass die junge Frau mich musterte, mit blanken Augen, die sich dem Kosmos nicht verschlossen, der mit uns fuhr. Als ob sie an mir studierte, wie wir auf die verbale Inkontinenz unserer Alten reagierten.
»Bei uns daheim hat’s immer drei Gänge gegeben, auch im Krieg und danach, als es nichts zu kaufen gab. Und die Suppe, die wird am Tisch aus der Terrine geschöpft. Der Weißwein kommt in das kleine, der Rotwein in das große Glas. Und für den Portwein zum Dessert nimmt man das kleinste.«
Die junge Frau mir gegenüber flickte mit ihrem Blick meine Narbe im Gesicht. Autounfall oder Kriegsverletzung? Sie war Anfang dreißig, eine Frau ohne äußerliche Eigenschaften, kurzhaarig, ungeschminkt, in Jeans, Sweater und Jacke. Eine Technikerin vielleicht aus dem nahen Funkhaus. Unter ihrer Jacke lugte als Überbleibsel einer Veranstaltung mit Publikumsverkehr ein ­angeklipstes Namensschildchen hervor, auf dem ich die ersten Buchstaben lesen konnte: Frie… Vielleicht Frieda? Nein, eher Friederike. Auf ihrer Nasenspitze hüpfte die Frage nach meinem Geschlecht unter Kurzhaar, Anzug, Schlips und Trenchcoat.
»Das Messer«, fuhr die Alte mit ihrem etwas gezierten Kulturschwäbisch fort, »muss mit der Schneide zum Teller liegen. Der Suppenlöffel liegt auf dem Teller und nicht außen neben dem Messer. Bei den Gabeln müssen die Zinken nach oben zeigen. Das Dessertbesteck liegt quer über dem Teller. Der Griff der Gabel zeigt nach links und der des Löffels nach rechts.«
»Und dann«, bemerkte ich, »frisst man sich von außen nach innen durchs Besteck.«
Friederike zuckte gegen die Rückenlehne zurück, so wie eine Schnecke die Stielaugen einzog, wenn man sie berührte. Meine Stimme hatte verraten, was sie schon gesehen, aber noch nicht geglaubt hatte. Fehlte doch auch über meinem Krawattenknoten der markante Adamsapfel meines fingierten Geschlechts.
»Wie bitte?«, fragte die Alte. »Was haben Sie gesagt? Sprechen Sie deutlich, junger Mann.«
»Immer von außen nach innen«, wiederholte ich.
»Aber wissen Sie auch, wann Sie anfangen dürfen zu schlabbern?«
»Wenn alle das Essen haben.«
Sie hob den krummen Zeigefinger. »Und nachdem die Haus­herrin die Serviette genommen hat.«
Ich gab mich gelehrig. »Ah, ja.«
Friederikes Blick stielte sich vertrauensvoll auf mein Gesicht zurück. Sie schien keine eigene Geschichte in die Bahn eingeschleppt zu haben. Sie war offen für unsere. Womöglich persiflierte sie uns nach Dienstschluss in einer Laienschauspieltruppe.
»In Wahrheit«, ging mich die Alte direkt an, »halten Sie Tischmanieren für überflüssigen Firlefanz, den wo man bestenfalls beherrschen sollte, wenn man mit dem Chef ins Restaurant geht. Mein erster Mann war auch so einer. Klempner. Ein gefragter Mann nach dem Krieg, wo alles zerbombt war, aber ohne Kultur und Anstand.«
Wir zischten in die etagenreiche, aber menschenleere Haltestelle Staatsgalerie ein. Ich schätzte die Alte auf zwischen achtzig und Tod.
»Am liebsten hat er Eintopf gegessen. Da braucht’s nur eine Hand, und mit dem andern Arm konnte er sich auf den Tisch stützen. Dann hat er die Brocken geschlungen wie ein Hund.«
Friederike lachte.
Die Äuglein der Alten mit den weißlichen Rändern um die blaue Iris zuckten zu ihr hinüber. »Und ein rechter Knauser ist er gewesen. Nix habe ich im Laden kaufen dürfen. Wir haben alles selber angebaut im Gärtle am Hasenberg, den Rhabarber, Salat, die roten Rüble und sogar Zwieble und Tomaten. Auch das Gsälz habe ich nicht im Laden kaufen dürfen. Tagelang habe ich eingekocht, Brombeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Träubles. Und dann die Pilze. Nicht einmal Champignons aus der Zucht habe ich kaufen dürfen, wo keine Gefahr gewesen wäre. Deshalb ist er ja dann an einer Pilzvergiftung gestorben. Und ich habe ihm sogar noch eigenhändig das Jägergulasch gekocht. Es war aber halt ein Grüner Knollenblätterpilz drunter. Einer reicht, hat der Arzt gesagt.«
»Und Ihnen ist nichts passiert?«, entfuhr es Friederike.
»Nein, mein Kind. Eine Dame isst wie ein Vögele, hat meine Mutter immer gesagt. Und es gab ja noch Flädlessuppe mit Schnittlauch und als Nachtisch Pudding mit Rhabarberkompott.«
Friederikes Pupillen weiteten sich.
Die Stadtbahn schwenkte aus dem Tunnel ins Licht der Haltestelle Hauptbahnhof. Hinter dem in Klammern gesetzten Zusatz Arnulf-Klett-Platz versteckte sich, was nach dem Krieg dreißig Jahre lang Stuttgarts Oberbürgermeister gewesen war. Die Türen öffneten sich und entließen fast den ganzen Bahninhalt. Menschen mit Rollkoffern und ein Trupp Japaner eroberten unseren Kosmos aus Vesperbrett und Wohnzimmerplüsch, violetten Stangen und netter Stationsansage.
»Mein zweiter Mann ist ja dann Fabrikant gewesen. Klodeckel. Geizig war er nicht. Das Gärtle habe ich verkaufen können. Aber er hat halt den Hals nie voll genug kriegen können. Gefressen hat er wie ein Mähdrescher. Immer hat er die Gabel vom Vorleg­besteck nachher auf seinem Teller liegen gehabt, die Bratensoß, die hat er mit dem Dessertlöffel vom Teller gekratzt, und vom Weckle zur Vorspeise hat er die Hälfte runtergebissen, statt, wie es sich gehört, ein Stückle abzubrechen. Und daran ist er dann ja auch gestorben.«
»Am Brötchen?«, stieß Friederike hervor.
(…)


Seitenanfang



Herausgeberin

Lisa Kuppler, geboren 1963 in Esslingen am Neckar und aufgewachsen in Schwaben, studierte in Tübingen, den USA und Berlin. Seit 1996 ist sie freie Krimilektorin, Übersetzerin (Neuübersetzung des Werks von Krimi-Altmeister Mickey ­Spillane) und Herausgeberin (u.a. die Anthologien Mord isch hald a Gschäft, Erotische Krimis mit Schuss, Queer Crime und Aszendent Mord). Seit 2001 führt sie das Krimibüro in Berlin, seit 2002 lehrt sie als Workshopleiterin Kreatives Schreiben. Lisa Kuppler betreut die Reihen Rotbuch Krimi und Hanse Krimi.

Biografisches und Schwäbisches von den Autorinnen

Die Autorin, die sich hinter dem Pseudonym Nessa Altura verbirgt, ist in Nürnberg geboren und in Franken aufgewachsen, sie schreibt Kriminalerzählungen, Sagen und erotisch angehauchte Kurzgeschichten. Bis jetzt wurden von Nessa Altura Sagen aus Mittelfranken (2002), der Erzählband Nacht über Oberstdorf (2003) und etliche Kurzkrimis veröffentlicht. Für die Kurzgeschichte »Der Burschl aus Tirol« erhielt sie 2002 den Glauser-Kurzkrimi-Preis. Zuletzt sind ihre »ungeheuerlichen Geschichten« in Grenzfälle (2005), Tatort Stuttgart (2005) und Mordlust (2005) erschienen, dieses Jahr wurde Nessa Altura auch mit dem Bodenseepreis ­Singen ausgezeichnet.
Nessa Altura hat die Schwaben schon während ihres Studiums in Tübingen kennen gelernt. Später begegnete ihr fernab von Schwaben ein echtes Prachtexemplar dieses eigentümlichen Menschenschlags, es wurde geheiratet, und bald war sie wieder in der Schönbuchregion, wo sie heute lebt und schreibt. Ein Abonnement ihres literarischen Newsletters unter www.nessaaltura.de lohnt sich unbedingt!

Die Mutter von Cornelia Arnhold war Schwäbin und reiste ungern ohne ihr Spätzlebrett. Schwabe zu sein reichte völlig aus, um ihr Vertrauen zu gewinnen, deswegen verehrte sie Theodor Heuss und verzieh ihm sogar seine Zigarren. Cornelia Arnhold ist in Frankfurt/M. geboren, lebte in Genf, Griechenland und heute in ­Berlin-Karlshorst. Sie war Reiseleiterin, Stylistin für Werbefotografie, Reitlehrerin, Journalistin, Mitherausgeberin des »Frankfurter Frauenblattes« und jahrelang mit dem literarisch-erotischen Kabarett »Die Nacht der LiteratHuren« unterwegs.
Sie hat erotische Geschichten veröffentlicht, u.a. Liebe – eine Schlachtbeschreibung und Lieb mich wie im Kino. Von ihr sind bisher die Krimis Rififi (1999), Pitbull Ballade (2001) und Kennedys Affe (2005) erschienen.

Ulrike Blatter ist in Köln geboren, studierte dort Medizin, dann machte sie eine Weiterbildung in Psychotherapie in Zürich. Während des Studiums in Köln lernte sie einen sehr heimwehkranken Schwarzwälder kennen, mit dem sie mittlerweile verheiratet ist. Ein dauerhafter Aufenthalt im Rheinland wäre für ihn unvorstellbar gewesen, deswegen folgte bald der Umzug in den »Süden«. Am Anfang der Beziehung musste Ulrike Blatter Dialekt pauken wie eine Fremdsprache, da es in der Beziehung sonst zu vielen Missverständnissen gekommen wäre. Geschadet hat es nicht – weder der Beziehung noch ihrer sprachlichen Entwicklung, sagt die Autorin. Neben vielen Auslandsreisen verbrachte Ulrike Blatter auch fast fünf Jahre in Slowenien. Seit dieser Zeit betreut sie ehrenamtlich Projekte für Suchtprävention und für kriegstraumatisierte Menschen auf dem Balkan. Von ihr wurden bisher das Kinderbuch Simons nächtliche Reisen (1997), Lyrik und ein Kurzkrimi in der Krimianthologie Grenzfälle (2005) veröffentlicht. Zurzeit hat Ulrike Blatter ein Arbeitsstipendium des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg für den Roman Die Haut zu Markte tragen.

Monique Cantré wurde in Schwenningen am Neckar geboren und verdankt ihren Namen dem französischen Vater. Aufgewachsen ist sie vorwiegend in Schwenningen, dicht an der badischen Grenze, was bekanntlich das Bewusstsein für das Schwäbische schärft. Nach dem Abitur in Schwenningen volontierte sie beim Schwarzwälder Boten und studierte danach Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte in Berlin. Heute ist sie beim Reutlinger General-Anzeiger für das Ressort Kultur verantwortlich, wo sie über so unterschiedliche Themen wie die Neueröffnung der Pariser Cinémathèque Française und den Theaterzug von Metzingen nach Horb berichtet. Monique Cantré saß in der Jury des Tübinger Schreibwettbewerbs für junge Menschen, sie lebt in Riederich, ist verheiratet und hat zwei Söhne.
Nach ihrem furiosen Krimidebüt mit dem Reutlinger Krimi Tot in der Wilhelmstraße (2003) hat Monique Cantré für Tödlichs Blechle den Schauplatz des Verbrechens an den Stuttgarter Bärensee verlegt.

Lange galt Stuttgart als die sicherste Großstadt Deutschlands, doch das hat sich inzwischen geändert, wenn auch glücklicherweise nur auf dem Papier. Dazu tragen auch die raffiniert konstruierten Krimigeschichten der geborenen Badenerin Martina Fiess bei, die sich nach fast zwanzigjährigem »Exil« hier im Schwäbischen so wohl fühlt, dass sie ihre literarischen Tatorte mit Vorliebe in der Region ansiedelt, etwa auf dem Stuttgarter Pragfriedhof, auf den Fildern oder in der Esslinger Altstadt.
Als Journalistin hat Martina Fiess die eine oder andere ­Leiche im Keller anderer Leute entdeckt, als Sachbuchlektorin hat sie Bücher produziert und als Werbetexterin Ideen verkauft, für die sie früher vermutlich verbrannt worden wäre. Dank dieser perfekten beruflichen Vorbildung schreibt sie heute Krimis und managt die ­Sisters in Crime Baden-Württemberg. Seit sie 2001 zu den Gewinnern des Krimi-Wettbewerbs »Das Verbrechen lauert überall« gehörte, hat sie zahlreiche Kurzkrimis veröffentlicht. Im Frühjahr 2006 erscheint ihr Roman Tödlich schön, auch er spielt am Tatort Stutt­gart. Weitere Informationen unter: ­www.martina-fiess.de.

Madeleine Giese wurde in eine seit Generationen im Saarland ansässige Juristenfamilie hineingeboren. Ihre Urgroßmutter Madeleine heiratete einen Schwaben, der nicht nur den Speiseplan um so exotische Köstlichkeiten wie Maultaschen und Spätzle erweiterte, sondern auch die trockenen Bücherschränke mit Literatur füllte. Familienintern als »Achtelschwob« bezeichnet, erstaunte es niemanden, dass sie Schauspielerin wurde. Nach zwanzig Bühnenjahren (u.a. auch in Esslingen) und zahllosen Bühnentoden beschloss sie, die Opfer- mit der Täterrolle zu wechseln. Seit 2002 mordet Madeleine Giese selbstständig und freiberuflich. Bisher erschienen von ihr Das Spiel heißt Mord und Die letzte Rolle, im Sommer 2006 wird ihr neuster Krimi Die Antiquitätenhändlerin veröffentlicht.

Anja Kemmerzell, geborene Böblingerin, studierte Germanistik und Politikwissenschaften in Marburg und Hamburg. Während und nach ihrem Studium arbeitete sie als freie Redakteurin und Autorin für verschiedene Verlage sowie die Nachrichtenredaktion des NDR-Fernsehens. Als fest angestellte Lektorin verlagerte sie 1999 ihren Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendliteratur und arbeitete in Verlagen in Hamburg und München. Seit 2002 lebt sie wieder nahe ihrem Geburtsort und ist für einen Stuttgarter Verlag als Lektorin tätig. Zusammen mit Else Laudan hat sie bei Ariadne den Krimischreib-Leitfaden Das Wort zum Mord (1999) veröffentlicht. Anja Kemmerzell hasst die heißen Stuttgarter Sommer und liebt das Eis im Pinguin, das sie nun schon zum zweiten Mal – nach »Happy Travel« in Mord isch hald a Gschäft – zum Schreiben einer Stuttgart-Krimigeschichte inspiriert.

Eva Klingler wurde 1955 in Gießen geboren, aber mit vierzehn Jahren von den Eltern nach Mannheim verpflanzt. Sie hat dort Wurzeln geschlagen, studierte Germanistik und Anglistik und lebt seit 2002 in Karlsruhe. Drei Jahre lang hat sie in Kürnbach gewohnt, ist aber trotz der Grenznähe zu Schwaben – wie sie selbst sagt – ein eher unschwäbischer Mensch geblieben. Sie war unter anderem Lehrerin an einem Gymnasium, hatte eine eigene Sprachschule, war als freie Mitarbeiterin des Südwestfunks (SWR) tätig und zuletzt Leiterin der Stadtbibliothek Rheinstetten. Als freie Schriftstellerin hat Eva Klingler in den letzten Jahren dreizehn Romane veröffentlicht. Ihre Geschichten spielen meist im Umkreis ihres ehemaligen Wohnorts Baden-Baden, im Elsass oder auch in Karlsruhe. Von ihr sind u.a. die Krimis Die Strohfrau (1993), Wie ein Stich ins Herz (1996), Tödlicher Stammbaum (1995) und Die Maske des Fuchses (2000) erschienen. Ihr Goethe-Krimi Warte nur, balde ruhest du auch (1997) wurde in der Frankfurter Rundschau vorabgedruckt. Zuletzt ist von ihr Erbsünde (2005) erschienen, ein Krimi, der im und um das Kloster Maulbronn spielt. Mehr unter ­
www.evaklingler-literaturkrimis.de.

Anita Konstandin ist vielleicht die einzige waschechte Schwäbin, die in ihrem ganzen Leben noch kein »handgschabtes Spätzle« fabriziert hat. Dafür kann sie einen köstlichen Traumauflauf, den ihre Mutter in den frühen 70er-Jahren dreimal hintereinander geträumt hat. Außerdem schreibt sie Krimis, von denen man nicht genug bekommt. Mit einem bildhübschen Ermittlerpaar, das durch Intelligenz und Menschlichkeit besticht. In ihren Kurzgeschichten haben meist auch Hunde die Pfote im Spiel. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Ludwigsburger Tierheims stellt sie immer wieder fest: »Ein Hund ist das Beste, was einem Menschen passieren kann.« Anita Konstandin arbeitet als freie Werbetexterin, lebt mit Ehemann und Haustieren in Stuttgart und ist Mitglied der Sisters in Crime. Im Jahr 2005 erhielt sie für ihre Kurzgeschichte »Onkel Giorgio« (erschienen in der Anthologie Fortgesetzter Versuch einen Anfang zu finden) den Literaturpreis des Freien Deutschen Autorenverbandes. Mehr Infos unter www.Anita.Konstandin.de.

Katrin Kremmler, geboren in Stuttgart, aufgewachsen in Oberschwaben, Grundstudium in Tübingen, danach Flucht nach Berlin. Die studierte Europäische Ethnologin absolvierte 2002 am Sydney College of the Arts ihren Master of Multimedia Design, lebt seither in Budapest und arbeitet an diversen Projekten. Ihre Krimis um die Globetrotterin Gabriella Müller, die weltweit Gesetze, Herzen und Tabus bricht, genießen Kultstatus. Bisher sind bei Ariadne erschienen: Blaubarts Handy (2001), Die Sirenen von Coogee Beach (2003) und Pannonias Gral (2004.)

Tatjana Kruse ist Gesinnungsschwäbin. Sie lebt und meuchelt (nur auf dem Papier) in Schwäbisch Hall. Neben zahlreichen Kurzkrimis veröffentlichte sie Die Wuchtbrumme (2000), Achtung: Wuchtbrumme (2001), Die Wuchtbrumme kehrt zurück (2002) und zuletzt Wuchtbrummenalarm (2003). Für »Cool-Man schlägt zu« (erschienen in der Anthologie Der Mörder kommt auf sanften ­Pfoten) erhielt sie 1996 den Marlowe-Preis für den besten deutschen Kurzkrimi. Im Jahr 2005 war Tatjana Kruse Krimistadtschreiberin der Stadt Flensburg. Im Sommer 2006 erscheint der Flensburgkrimi Küss mich, Schatz!
Tatjana Kruse ist Mitglied der Sisters in Crime und im Syndikat. Sie übersetzt, lehrt online das Kurzgeschichtenschreiben und hat mehrere Krimianthologien herausgegeben. Mehr Informationen finden Sie auf www.TatjanaKruse.de.

Christine Lehmann, geboren in Genf, lebt schon ewig in Stuttgart und ist als Reigschmeckte richtig auf den Geschmack gekommen. Aus Überzeugung Stuttgarterin, studierte sie an der Stuttgarter Universität Germanistik und Kunstgeschichte und arbeitet als Nachrichten- und Politikredakteurin beim SWR. In ihrem ersten Krimi, Kynopolis, rennen Hunde die Hasenbergsteige rauf und runter, ihre kultverdächtigen fünf Lisa-Nerz-Krimis spielen am Feuersee, beim Alten Schlachthof, am Albtrauf, in Stuttgart Münster und auf der Schwäbischen Alb. Außerdem veröffentlichte Christine Lehmann etliche Krimikurzgeschichten und vier ­Liebesromane mit Krimicharakter. Ihr Roman Der Bernsteinfischer wurde mit Heiner Lauterbach in der Hauptrolle verfilmt. Zuletzt erschienen bei Ariadne Harte Schule (2005), Höhlenangst (2005) und Vergeltung am Degerloch (Frühjahr 2006).

Fanny Morweiser ist in Ludwigshafen geboren, sie studierte an der Freien Kunstakademie Mannheim Zeichnen, Malen und Bildhauerei. Danach arbeitete sie zwei Jahre als Verkäuferin in einem Devotionaliengeschäft in Mannheim. Zum Bücherschreiben kam Fanny Morweiser eher zufällig, ursprünglich wollte sie Illustratorin werden. Im Jahre 2003 war Fanny Morweiser Turmschreiberin der Stadt Deidesheim. Von ihr sind etliche Romane, Erzählbände und Erzählungen erschienen, von denen einige (»Das Frettchen«, »Das Königsstechen«) verfilmt wurden, u.a. Lalu lalula, arme kleine Ophelia (1971), La vie en rose (1973), Indianer-Leo und andere Geschichten aus dem wilden Westdeutschland (1977), Die Kürbisdame (1980), Ein Winter ohne Schnee (1985), Das Medium (1991) und Der Taxitänzer (1996). Zuletzt erschien Un joli garçon (2003). Fanny Morweiser mag die Schwaben, und zwar, wie sie sagt, weil sie vordergründig wenig fassbar sind und dann doch so viel dahinter steckt – Gescheitheit hinter der Tüchtigkeit, Kunstsinn hinter der Ordnungsliebe, Melancholie hinter der Fröhlichkeit. Sie lebt mit ihrer Familie in einer kleinen Stadt im Neckartal.

Sabine Thomas wurde bekannt als TV-Moderatorin bei TELE5. Ihr erster Roman Yaizas Insel wurde mit dem Literaturstipendium der Stadt München ausgezeichnet. Sie hat zahlreiche Kurzkrimis in Anthologien veröffentlicht (u.a. ihre eigene Krimi-Anthologie Mordsgelüste), schrieb Drehbücher für eine ARD-Kinderkrimi­serie und ist Autorin der Musikbildtextbände von Starfotograf Bubi Heilemann (Abba, AC/DC, Sweet, Rod Stewart u.a.). Sabine ­Thomas ist gelernte Fotografin und hat u.a. auch das Stuttgarter Ballett fotografiert. Bei der Stuttgarter Premiere des Musicals Mamma Mia! im Juli 2004 traf sie Björn und Frida von Abba. Sabine Thomas lebt in München. Sie besucht oft ihre Freunde in Stuttgart und verfährt sich trotzdem jedes Mal wieder … Weitere Infos: www.sabinethomas.de.

Argument Verlag GmbH | Glashüttenstraße 28 | 20357 Hamburg | Impressum | AGBs | Widerrufsbelehrung