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Patricia Carlon
Die flüsternde Wand
Ariadne Krimi 1156
ISBN 3-88619-886-3
Auf die Merkliste
(jederzeit widerrufbar)

Wenn eine sich nicht rühren kann . . .

»Sie liegt da wie ein Fisch auf der Servierplatte«, sagt ihre Pflegerin, ein Satz, der in Sarahs Kopf zur Endlosschleife gerät. Nach einem Schlaganfall ist sie gelähmt, unfähig, sich zu rühren oder zu sprechen – obwohl sie alles mitbekommt. Sie weiß, dass ihre Nichte Gwenyth hinter ihrem Vermögen her ist. Und durch eine Kaminwand am Kopfende ihres Bettes dringen die Unterhaltungen ihrer neuen Untermieter an ihr Ohr. Leise wie Geflüster, aber wenn man sonst nichts zu tun hat, schärft sich die Wahrnehmung. Und so erfährt Sarah von einem perfiden Mordplan…

Ein beklemmender Thriller in der Tradition von Fenster zum Hof und ein anrührender Roman über die Freundschaft zwischen einer kranken alten Frau und einem unerschrockenen Mädchen.

»Dieses faszinierende australische Psychodrama ist eine herausragend treffende Studie ohnmächtigen Schreckens und zugleich eine raffinierte Lektion zum Thema Tücken der Kommunikation.«
The New York Times Book Review

»Wie Rendell und Highsmith erschafft Carlon eine Atmosphäre klaustrophobischer Bedrohlichkeit.« Mostly Murder



Leseprobe

Kapitel 1

Manchmal stellte sich Sarah vor, der Tod lauere hinter den schweren dunklen Türen des Eckschranks und beobachte sie mit einem hellen, wissenden, aufmerksamen Auge. Das geschah in den Nächten, wenn das Licht durch einen Gardinenspalt ins Zimmer fiel und auf das große runde Schlüsselloch schien, bis es funkelte, ein heller Kreis, der ihr aus dem Dunkel zuzwinkerte.

Dann überlegte sie, was wohl Bragg zu dieser Vorstellung sagen würde, und war froh, dass sie nicht in Versuchung kommen konnte, in einem unbedachten, einsamen Augenblick ihre nächtlichen Ängste auszuplaudern, und dann sehen müsste, wie die blassen Augen das Mitleid in der triefenden Stimme widerspiegelten.

Wie sie so dalag und nichts weiter zu tun hatte als denken, erinnerte sie sich an kleine Einzelheiten aus ihrem Leben und aus dem Leben anderer; Belanglosigkeiten, an die sie nie zuvor gedacht hatte – zum Beispiel eine karierte Schärpe, die sie mit vier verloren und schmerzlich vermisst hatte; an den Tod eines Kanarienvogels; eine vergessene Schulaufgabe; an heiße Sommersonntage und einen jungen Geistlichen, der bei seiner Predigt stotterte, weil er wusste, dass seine Zuhörer ihn mit seinem Vorgänger verglichen und unzulänglich fanden. An heiße Sommersonntage erinnerte Sarah sich, und auch an ihren Groll, dass sie in der überfüllten Kirche eingepfercht war, wenn doch der ganze Sommer – die offenen Koppeln, das Zirpen der Zikaden, der kühle Samt brauner Creekwasser – draußen auf sie wartete, während sie in einem gestärkten Baumwollkleid stillsitzen und einer stotternden Stimme zuhören musste.

Wie sie so dalag, fünfzig Jahre und tausend Meilen von den Koppeln und dem zehnjährigen Kind entfernt, erinnerte sich Sarah auch an einzelne Bröckchen aus den Predigten. Das wollte sie nicht, es war ihr unbehaglich, die jugendliche stammelnde Stimme wiederzuhören, die von Menschen und Hass und Sünde sprach.

Wegen dieser Erinnerung hatte sie Schuldgefühle, denn sie hasste Bragg so sehr, von der sanft säuselnden Stimme bis zu den speckigen Händen, und dieser Hass war unangemessen und ungerecht, das wusste sie. Es war wirklich eine große Sünde, Bragg zu hassen, die kompetent war und sich für freundlich und tröstlich hielt, eine Zierde der Krankenpflege.

Aber wie, grübelte Sarah, konnte man für eine Person, die in jeden Intimbereich eindrang, die alles über einen wusste, oder sich das jedenfalls einbildete, und dieses Wissen über den reglos liegenden Körper hinweg zum Besten gab; die einen ›Sie Arme‹ nannte und einen wieder und wieder mit einem Fisch auf der Servierplatte verglich, etwas anderes als Hass empfinden?

In solchen Augenblicken bedauerte Sarah heftig, dass sie ihre Stimme verloren hatte. Gern hätte sie Bragg auf den Kopf zugesagt, was sie, Sarah, von dieser scheußlichen Phrase hielt; aber zu anderen Zeiten, in den einsamen, dunklen Zeiten, war sie froh, dass sie nicht mehr sprechen konnte, sonst würde alles aus ihr hervorbrechen und an Braggs aufmerksame Ohren dringen, nur um später dem Arzt und alten Freunden aufgetischt zu werden – über den Schrank und das helle wissende wachsame Auge in der Nacht und hundert andere Dinge, die besser ungesagt blieben.

Wenn Sarah an die Frau dachte, dann schlicht als Bragg. Nicht mal als Schwester Bragg oder Pflegerin Bragg, und ganz bestimmt nicht als Cornelia, obwohl an dem ersten Morgen, als Sarah die Welt wieder wahrnahm, Bragg auf sie heruntergelächelt, mit ihrer dicken Hand Sarahs getätschelt und gesagt hatte: »Hallo, meine Liebe. Wie schön, dass Sie endlich wach sind. Ich bin Cornelia Bragg, meine Liebe. Denken Sie an mich einfach als Cornelia, so wie alle meine Freunde.« Und dann hatte Mitleid die blassen Augen verdunkelt, sie hatte sich an den Arzt gewandt und mit ihrer dicken, klebrigen Stimme gesäuselt: »Nicht ein Blinzeln, Doktor. Meinen Sie, sie kann hören? Sie liegt da wie ein Fisch auf der Servierplatte, und genauso lebendig, die Arme.«

Sarah hasste die Erinnerung an diese Phrase, an das erste Mal, als sie sie gehört hatte. Denn dann fiel ihr wieder ein, wie die Erkenntnis langsam durchgesickert und schließlich wie eine beängstigende Flutwelle über sie hereingebrochen war – die Erkenntnis, dass sie weder sprechen noch sich bewegen konnte – dass ihr Geist in etwas Unbeweglichem gefangen und sie nicht in der Lage war, dieses Etwas ihrem Willen zu unterwerfen; dass sie, wie Bragg behauptete, nur mehr ein lebloser Fisch auf einer Servierplatte war, zur Besichtigung ausgelegt, und von jedermann untersucht und befingert werden konnte.

Es gab nur das Buch, an dem sie sich festhalten konnte. Sarah wusste nicht mehr, wann sie es gelesen hatte, aber es handelte von einer Person in derselben Lage – durch einen grausamen, unvorhergesehenen Schlaganfall an Körper und Stimme gelähmt.

Darin hatte es geheißen, dass der Körper des Opfers sich schwer wie Blei anfühlte. Sarah hätte dem Autor gern geschrieben und ihm gesagt, dass er keine Ahnung hatte, denn in ihrem Fall hatte der Körper die Leichtigkeit von Distelflaum. Distelflaum konnte weder Butterbrot schmieren noch Frühstücksflocken löffeln oder strampeln. Manchmal ergötzte sich Sarah an der Vorstellung, was Bragg für ein Gesicht machen würde, wenn ihre Patientin es irgendwie schaffen sollte, plötzlich die Bettdecke hochzutreten. Aber Distelflaum lag nur da und wartete darauf, dass etwas oder jemand sie anderswohin bewegte.

Noch etwas erinnerte Sarah aus dem Buch – und klammerte sich in verzweifelter Hoffnung daran. Das Opfer dieses Schlaganfalls hatte sich zum Schluss erholt. Oh, nicht vollständig, aber ausreichend. Sie konnte sich nicht erinnern, ob ein Bein oder ein Arm weiterhin versagt hatte, aber was es auch war, gemessen an der Hauptsache – dass nämlich der Rest der Person wieder zu Leben und Bewegung zurückkehrte – war es eine Kleinigkeit gewesen.

Wann immer Bragg oder einer der Besucher, die kamen und Sarah anstarrten und mitleidige Geräusche machten, sie besonders angestrengt hatten, dachte Sarah an das Buch und an die schöne Zeit, wenn sie wieder Mrs. Sarah Oatland sein würde und nicht nur ein Fisch auf einer Platte, der angestarrt und als wertlos, oder schlimmer, als Last bezeichnet wurde.

Für Gwenyth war sie eine Last. Das wusste sie, weil Gwenyth sich nicht verstellen konnte. Die gut genährte, adrett gekleidete Gestalt ließ sich nie dazu herab, wie eine alte Freundin am Bett zu sitzen und zumindest ein Weilchen so zu tun, als wäre Sarah noch ein lebendiges Wesen und könnte die Worte verstehen, die sie sagte, auch wenn sie nicht darauf reagierte. Gwenyths Besuche waren kurz. Sie kam einzig und allein, um ein Auge auf Bragg zu haben, das spürte Sarah und erkannte an Braggs Gesicht und Stimme, dass die Pflegerin es ebenfalls wusste. Gwenyth machte auch keinen Hehl daraus. Sie kam immer unangekündigt, stand plötzlich im Eingang zu Sarahs Zimmer und stocherte mit dunklen Augen darin herum, wobei sie den Standort jeder Nippsache, jeder Kleinigkeit inspizierte. Eines Tages war einer der Schäferinnen-Leuchter auf dem Kaminsims aus irgendeinem Grund in ein anderes Zimmer gestellt worden. Gwenyths stets streng erhobenes Kinn – eine Maßnahme gegen die Anfänge eines Doppelkinns – hob sich noch höher. Ihre dünne Stimme schnitt anklagend durch die warme stille Luft in Sarahs Zimmer: »Schwester, was haben Sie mit der Schäferin meiner Tante gemacht?«

Sarah hatte sich amüsiert über das, was darauf folgte. Bragg reckte ihr ebenso strenges Kinn und sagte unverblümt: »Ich bin damit nicht ins nächste Pfandhaus gerannt, Mrs. Oatland. Sie sind äußerst misstrauisch veranlagt, nicht?« Und auf Gwenyths Verblüffung fügte sie triumphierend hinzu: »Sie können mich gern feuern, wenn Sie wollen – oder wenn der Arzt es zulässt –, aber dann pflegen Sie die gute Alte selbst. Nicht eine Pflegerin unter hundert nimmt so einen Fall. Zu viel schweres Heben und Aufsicht rund um die Uhr.«

Gwenyths Wut schrumpfte zu einer eisigen spitzen Bemerkung. »Das ist lächerlich. Sie haben keinen Grund, ausfallend zu werden. Ich habe eine Verpflichtung meiner Tante gegenüber. Sie ist ja nicht in der Lage, selbst auf ihre Sachen zu achten. Ich habe Sie nicht beschuldigt, aber hier gehen dauernd Leute ein und aus, und der Besitz meiner Tante –«

Bragg hatte maliziös gelächelt. Keine Spur von Einlenken in ihrem schnippischen: »… wird eines Tages Ihnen gehören, und Sie haben ein Auge darauf. Nur zu. Mir soll’s recht sein, solange Sie nicht erwarten, dass ich für die Sachen verantwortlich bin. Wenn Sie Angst haben, dass etwas verschwindet, ehe Sie es in die Finger kriegen, können Sie jederzeit hier einziehen und mir bei der guten Alten zur Hand gehen.«

Sarah hatte gewusst, dass das nicht passieren würde, und war dankbar dafür. Als Witwe mittleren Alters hatte Gwenyth ihre eigene kleine Wohnung und ihre Annehmlichkeiten, die sie niemals aufgeben würde, schon gar nicht für eine angeheiratete Tante, die jetzt nur noch eine Last war und Gwenyth daran hinderte, das große Haus an der Parkland Avenue zu übernehmen. Ihre unangemeldeten Kontrollbesuche waren aber weitergegangen, und ihre Feindseligkeit gegen Bragg hatte zugenommen. Manchmal dachte Sarah, dass es zum Teil diese Feindseligkeit war, die Gwenyth dazu brachte, so offen zu sprechen und Braggs geflüstertes »So sollten Sie vor der guten Alten nicht sprechen. Sie könnte jedes Wort verstehen, und stellen Sie sich vor, wie Ihnen zumute wäre, wenn …« beiseite zu wischen.

»Seien Sie nicht albern«, hatte Gwenyth einmal erwidert. »Meine Tante vegetiert doch nur noch dahin wie eine Pflanze.«

Dies eine Mal hatte sich Sarah für Bragg erwärmt. »Es gibt ein Menge Pflanzen, die ganz plötzlich frische Triebe entwickeln«, hatte sie gekontert. »Schauen Sie sich nur die Zwiebeln an – braune vertrocknete Dinger – und plötzlich treiben sie neu aus und sind wieder voller Leben.«

Gwenyth hatte nicht gelacht, aber Sarah hatte sich gewünscht, sie selbst könnte darüber lachen. Allein in der Dunkelheit, wenn nur das helle Schlüsselloch sie beobachtete, fand sie nichts Komisches daran, eine Mischung aus Fisch und Zwiebel zu sein. Es war abstoßend. Sie konnte sich immer noch an die verzweifelte Übelkeit erinnern, die sie an jenem Morgen empfunden hatte, denn das war der Tag gewesen, an dem Gwenyth beschlossen hatte, das Haus müsste aufgeteilt werden.

Wie üblich hatte sie neben dem Bett gestanden und Sarah nicht ein einziges Mal angeschaut, während sie sprach – vielleicht, hatte Sarah bitter gedacht, weil sie fürchtete, in den Tiefen der erloschenen Augen Protest, Panik und Entsetzen zu sehen. Sie hatte knapp erklärt: »Schwester, ich habe mit dem Arzt gesprochen. Wie es scheint, kann niemand sagen, wie lange meine Tante auf diese Art weiterlebt. Seit ihrem Schlaganfall sind jetzt sechs Wochen vergangen – über sechs Wochen und …«

Bragg hatte erschrocken und empört geklungen. »Sie meinen, Sie wollen das Haus über den Kopf der armen Alten hinweg verkaufen? Wo soll sie dann hin? Zu Ihnen?«

»Seien Sie nicht albern«, hatte Gwenyth müde erwidert. »Ich kann das Haus nicht verkaufen. Ich habe nicht die Vollmacht, aber ihr Anwalt sagt, dass Teile davon vermietet werden können. Für den Anfang wäre da diese kleine Wohnung im Parterre hinten. Die hat mein Onkel vor Jahren einrichten lassen, um eine Haushälterin zum Bleiben zu verlocken. Sie wissen, wie es ist – um jemanden dazu zu kriegen, dass er ein bisschen sauber macht, muss man ihm den Himmel auf Erden bieten.« Sie zuckte ungeduldig die runden Schultern. »Aber damit war Schluss, als Onkel starb. Für Haushaltshilfen war kein Geld mehr da. Außerdem sagte meine Tante, es gäbe keine Arbeit für irgendwen und sie kümmere sich lieber selbst um ihre Sachen. Nicht mal vermieten wollte sie.« Die glatte weiße Stirn runzelte sich empört. »Dabei hätte sie seit Jahren Einnahmen aus dieser Wohnung haben können. Sie ist in sich abgeschlossen, und im vorderen Parterre fehlt nur ein Herd. Da ist der kleine Raum mit der Spüle. Wenn man da einen Herd reinstellt – man müsste sicher nur die Gasleitung verlängern, das würde nicht viel kosten –, dann ist es eine Küche. Eine Dusche ist schon da. Und die Tür auf dem oberen Treppenabsatz kann man abschließen. Das würde zwei Wohnungen im Parterre bedeuten und etwas Geld bringen. Sie wird es brauchen. Sie könnte Jahre in diesem Zustand verbringen. Oder nicht?«

Sarah wollte protestieren. Sie wollte schreien, dass sie das Haus nicht teilen wollte, nicht wollte, dass sich Fremde in ihren geliebten Zimmern herumtrieben und ihre alten, mit viel Liebe und Fürsorge polierten Möbel anfassten; und vor allem wollte sie gegen diese ultimative Herausforderung an Bragg protestieren. Sie wartete darauf, dass die Frau es abstritt, aber Bragg schüttelte nur den Kopf und wisperte: »So sollten Sie nicht reden. Die Ärmste könnte jedes Wort verstehen.«

»Ach, hören Sie auf, sich wie eine Idiotin zu benehmen!« Gwenyth wandte sich ungeduldig ab. »Wenn irgendein Leben in ihr steckte, hätte sich das in ihren Augen gezeigt, als ich über das Haus sprach. Das Haus«, plötzlich war reine Wut in der dünnen Stimme, »ist das Einzige, das ihr etwas bedeutet hat, seit mein Onkel tot ist. Sie wollte es nicht verkaufen, sie wollte es nicht vermieten, sie wollte sich von keinem einzigen Möbelstück trennen, weil es zu dem elenden Haus gehörte und der Gedanke, dass eine Ecke leer stehen könnte, ihr unerträglich war …«

Da hatte Bragg gelacht. Sarah fand, ihr Lachen war das Netteste an Bragg. Es war fröhlich und jugendlich, selbst wenn es spöttisch war wie jetzt, als sie sagte: »Sie haben sie um ein paar Möbel gebeten, um ihre eigene Wohnung einzurichten, was? Und sie hat Ihnen den Kopf zurechtgesetzt?«

Gwenyth hatte sich beherrscht und nur gesagt: »Mein Mann war im diplomatischen Dienst. Wir hatten keine Gelegenheit, eigenen Besitz anzusammeln. Als er starb und ich hierher zurückkam, gehörten die Möbel meinem Onkel – dem Onkel meines Mannes … Einige davon«, fuhr sie fort, »gehörten Onkels Eltern.«

»Genau betrachtet steht die liebe Alte den Großeltern näher als Sie, nicht wahr? Und offenbar hat er alles der lieben Alten hinterlassen, also …«

Gwenyth hatte sich abgewandt und nur noch über die Schulter gesagt: »Nachher kommt jemand und kümmert sich um den Herd unten. Die Annonce wegen der hinteren Wohnung steht morgen in der Zeitung. Ich werde dann hier sein und mögliche Interessenten herumführen.«

Sie war allein hinausgegangen wie immer, und Bragg war an Sarahs Bett zurückgekommen, hatte sich in dem großen Korbsessel niedergelassen und zu Sarah gesagt: »Ein Gutes hat es, meine Liebe. Die wird nie jemanden in die Wohnung lassen, der nicht über allen Zweifel erhaben ist. Da unten werden Leute wohnen, die so respektabel sind, dass sie niemals Fritten aus Zeitungspapier essen. Die werden extrem pingelig sein, Sie werden sehen, aber das ist ja auch gut so. Dann müssen Sie sich keine Sorgen machen, dass sie mit Ihren Sachen abhauen oder die Wohnung verschandeln. Nicht, dass Sie sich Sorgen machen könnten, nicht wahr?« Das lange Gesicht beugte sich über das Bett, die blassen Augen erforschten Sarahs Gesichtszüge. »Ich wünschte, ich wüsste, ob Sie sich Sorgen machen können.« Es war Unsicherheit in ihrer Sirupstimme gewesen, die langsamer gesprochen hatte und jedes Wort sorgfältig vom nächsten trennte. »Wenn Sie verstehen, was sie gesagt hat, was ich sage, dann sollen Sie sich keine Sorgen machen. Sie wird an jemanden vermieten, der sich um Ihre Sachen kümmert. Sie wird nicht zulassen, dass etwas damit passiert. Niemals.«

Das lange Gesicht zog sich zurück. Zwischen ihnen lag die unausgesprochene Gewissheit, dass Gwenyth nur darauf wartete, dass die Pflanze, der Fisch auf der Platte, starb ...


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