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Monika Geier
Stein sei ewig
Ariadne Krimi 1150
· ISBN 3-88619-880-4
Auf die Merkliste
(jederzeit
widerrufbar)

Bettina Bolls dritter Fall

Wie ein dunkler Schwamm hängt der November über der Pfalz, tränkt Land und Seelen mit endlosem Regen. Kriminalkommissarin Bettina Boll, gebeutelt vom Alltag mit zwei kleinen Kindern, missgünstigen Vorgesetzten und einer fiesen Tagesmutter, soll die Provinzvariante eines Kunstraubs aufklären. Das sieht ganz nach einer schikanösen beruflichen Unterforderung aus – doch der Tod ist schon unterwegs …

Kriminalpolizistin Bettina Boll hat es nicht leicht. Ihre Ludwigshafener Kollegen ermitteln in einem spektakulären Fall, während sie mal wieder zu leidiger Beinarbeit eingeteilt ist. Als neueste Schikane ihres Chefs soll sie die Provinzvariante eines Kunstraubes aufklären: In Lautringen hat ein finsterer Zeitgenosse öffentlich ausgestellte Plakate geklaut. Ein Lausbubenstreich? Die müßige Tat von unterforderten Studenten? Oder steckt doch mehr dahinter, wie einer von Bettinas Vorgesetzten unter der Hand durchblicken lässt? Dann aber wartet die Lautringer Uni mit einer bösen Überraschung auf: Ein eiskalt inszenierter Mord erschüttert die Architekturfakultät…

»Monika Geier verfügt über die Bösartigkeit aller guten Krimiautorinnen, über Witz und die Raffinesse für wirklich subtile Plots. Ihre Bücher sind mehr als eine Entdeckung, sie sind eine Befreiung von schlecht gewordener Konvention.«
Tobias Gohlis, Die Zeit

»Psychologie und hintergründiger Humor: Bei Geier ist Spannung garantiert!«
Hörzu

Leseprobe

»Und hier«, sagte der Profiler aus München, während er ein weiteres grausiges Dia in den Projektor schob, »ist er etwas anders vorgegangen.« In seiner trockenen Stimme war ein verhaltenes Beben. Jagdfieber, und das am Morgen, dachte Bettina Boll, die einzige Kommissarin in der Runde. Der Profiler hieß Silberstein und sah aus wie der Gute aus einem Heimatfilm: braun gebrannt, hochgewachsen, ordentlicher Haarschnitt. Er sprach Hochdeutsch, aber mit unverkennbar bayerischem Zungenschlag. »In diesem Fall schimmert die Persönlichkeit, die Leidenschaft ein wenig durch.«
Auf dem Dia war ein von wilden Stichen regelrecht zerfetzter Junge, der auf armseligen blutigen Laken lag. Ornamente zierten seinen Körper, ungeschlachte Zeichnungen aus Blut unter den Achselhöhlen und an den Innenseiten der Oberschenkel, doch diese waren auf dem Foto nicht zu sehen. Nichts war auf dem Foto zu sehen außer entsetzlicher Verachtung. Bettina kamen immer noch die Tränen, wenn sie so etwas sah, heimliche Tränen, mehr ein Kloß im Hals. Nichts, was die Kollegen merkten, und auch nichts, was sie von sachlicher Arbeit abhalten würde, aber etwas, das sich an der Erregung des Profilers stieß.
»Dieses Opfer wurde dreiundzwanzigmal in die Augen gestochen, wobei der Schädelknochen an mehreren Stellen absplitterte«, fuhr der Kollege aus München fort. »Durch die Wucht der Einstiche.« Er illustrierte es mit einem neuen Dia. Bettina sah weg. Seit sie die Verantwortung für zwei Kleinkinder hatte, war sie empfindlicher geworden. Ihre Welt war zu schlecht. Enno und Sammy verdienten keine Ersatzmama, die sich mit scheußlichen Bildern quälte.
»Dreiundzwanzig Stiche in die Augen«, wiederholte Silberstein. »Das ist auffällig. Bei den anderen Fällen, das wissen Sie, gab es nur die Stiche in der Herzgegend, dann die Verletzungen der Hände und Füße, was wir eventuell mit einem Fetisch-Komplex erklären können, außerdem –«
Nun begann er wieder, sich an den einzelnen Verletzungen aufzugeilen. Diese lustvollen Fachausdrücke. Die ständige Wiederholung. Die Zahlen. Bettina betrachtete den Profiler, wie er dastand, breitbeinig, wachsam, vom Licht aus dem Projektor spärlich beleuchtet. Wenn sie ihm aus dem Dunkeln plötzlich einen Ball zuwürfe, würde er ihn noch aus dem Satz heraus abschmettern und weitersprechen. Er befand sich in Deckung, auf sehr aufmerksame Art. Was wohl aus ihm geworden wäre, wenn er sich nicht legal mit all den Gräueltaten befassen dürfte? Ob es weniger Serientäter gäbe, wenn das Wissen um sie in der Öffentlichkeit geringer wäre? Bettina rieb sich die Stirn. Sie war ungerecht. Silbersteins persönliche Motive gingen sie auch nichts an, ja der ganze Gedanke, konsequent weitergedacht, führte nur dazu, dass sie ihre eigene Existenz anzweifeln musste. Im Prinzip tat sie genau das Gleiche wie der Mann vorne am Diaprojektor.
»… wir schließen daraus, dass unser Täter dieses Opfer persönlich gekannt hat, und das, verehrte Kollegen«, Silberstein knipste plötzlich das Licht des Projektors aus, »ist der konkreteste Hinweis, den wir bislang haben. Hier müssen wir ansetzen. Das ist unsere Chance.«
In dem dunklen Raum entstand Unruhe. Hauptkommissar Härting erhob sich und schaltete die Deckenbeleuchtung an; andere sprangen auf, um die Jalousien hochzuziehen. Doch das Licht von draußen war fahl und schwach. Der Winter würde bald da sein.
Bettinas Kollege Ackermann begann das Umfeld des eben gezeigten Opfers zu beschreiben. Ein junger Mann, fast noch ein Kind, der eine in so ziemlich jeder Hinsicht beschränkte Jugend gehabt hatte. Er war früh von zu Hause ausgezogen, hatte ziellos Verschiedenes, aber nicht allzu Unterschiedliches ausprobiert und war nun ermordet worden, bevor er sich einigermaßen hatte fassen können. Bettina kannte die Geschichte schon; sie bearbeiteten den Fall seit fast einem Monat, und seit vierzehn Tagen in der Sonderkommission »Künstler« unter Härtings Leitung. »Künstler« nannten sie den Mörder wegen der schauerlichen Ornamente, mit denen er seine Opfer schmückte. Und für ihn hatten sie das ganze Programm aufgefahren, alle möglichen länderübergreifenden Einsätze. Trotzdem waren sie nicht viel weiter gekommen, der Täter mordete, wie es schien, wahllos jeden jungen Mann, dessen er habhaft werden konnte. Der Junge mit den dreiundzwanzig Stichen in den Augen war das zweite Opfer gewesen. Insgesamt gab es vier, im Großraum Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg. Und womöglich noch weitere – ohne Ornamente – in Hessen.
Bettina hatte mit der Mutter des Jungen mit den Augenverletzungen gesprochen; sie war von erschütternder Gefasstheit gewesen. So als wäre die Frau durch die schlimme Nachricht überhaupt erst wieder an die Existenz ihres Sohnes erinnert worden. Eins der anderen Opfer war sogar minderjährig. Bettina knetete ihre Nasenwurzel, jetzt hatte sie es wieder geschafft. Wenn sie an den Kleinen dachte, bekam sie jedes Mal Kopfschmerzen. Sie war bei seiner Obduktion dabei gewesen.
Vorne am quer stehenden Tisch erhoben sich die Polizisten und räumten ihre Sachen zusammen. Die Morgenkonferenz war beendet. Bettina war verwirrt. »Haben wir die Einsätze für heute schon besprochen?«, flüsterte sie ihrem Kollegen zur Rechten zu, dem kleinen Willenbacher, so genannt, weil er tatsächlich kein Riese war. Er spielte leicht nervös mit seinem Kugelschreiber herum.
»Die der anderen schon«, antwortete er.
»Und wir?«
Als Antwort wies Willenbacher auf ihren Chef, Härting, der in der Tür stand und sie abwartend anblickte. »Wir kriegen die Extrawurst.«

In Härtings Zimmer roch es auf die bestimmte Härting’sche Art muffig, und das, obwohl gerade frisch renoviert worden war. Bettina nahm den Stuhl unter dem Hibiskus. Harte, grün glänzende Blätter streiften ihren Ärmel. Härting hockte auf seinem Sessel und musterte sie ungeduldig. Bettina lächelte ein wenig aufsässig. Privataudienzen beim Chef hatten für sie noch nie Gutes bedeutet.
»Ja, Frau Boll. Willenbacher. Schließen Sie doch die Tür.«
Willenbacher tat, wie ihm befohlen ward. Er sah blass aus, trotz seines lila gemusterten Hemdes.
»So. Na, dann wollen wir mal Ihre neue Aufgabe besprechen.«
Neue Aufgabe? Bettina linste zu Willenbacher hinüber. Wusste der etwa mehr? Nein, der jüngere Kollege sah genauso gespannt und misstrauisch aus, wie Bettina sich fühlte.
»Herr Willenbacher, ich höre, Sie engagieren sich bei Polart.«
Polart war ein Kunstverein, dem hauptsächlich Kollegen aus dem Fälschungsdezernat angehörten. Auch Willenbacher war in Gnaden aufgenommen worden und seither mit Leib und Seele dabei.
»Jawohl.«
»Sie sind sogar Schriftführer.«
»Ja.« Willenbacher nahm eine aufrechtere Haltung ein.
»Sie haben also ein sicheres Urteil, was Kunstfragen betrifft?«
Der Obermeister versuchte, bescheiden abzuwinken, was gründlich misslang. »Na, ich kann schon ein Arkanthusblatt von einer Volute unterscheiden«, sagte er eifrig. »Aber sonst bin ich halt auch nur ein Polizist.«
Härting runzelte die Stirn, Bettina verkniff sich ein Grinsen. Wahrscheinlich hatte der Hauptkommissar von keinem der beiden je gehört. Nicht dass es ihr da anders ging, aber sie war halt auch nur eine Polizistin.
»Hm. Ja. Und Sie kennen auch – äh – Kollegen aus der Region? Künstler, die nicht bei der Polizei arbeiten, ich meine, echte, also–« Härting sah inzwischen etwas genervt aus.
»Na klar«, sagte Willenbacher. »Ich korrespondiere ja mit den anderen Vereinen.«
»Schön, Willenbacher, da sind Sie also für diese kleine Aufgabe hier wie geschaffen. Und Sie, Bö–«, Härting warf einen Blick auf Bettinas Gesicht, »Frau Boll, sind mit der leichten Muse sowieso vertrauter als wir Herren der Schöpfung.«
»Leichte Muse?«, gab Bettina misstrauisch zurück. »Davon verstehe ich gar nichts.«
»Nun, ich habe jedenfalls eine sehr schöne Aufgabe für Sie beide.«
Die Ornamente, dachte Bettina. Wir sollen die Ornamente untersuchen, die den ermordeten Jungen auf Arme und Beine gemalt worden sind. Mit ihrem eigenen Blut.
»… Sie werden in Lautringen gebraucht. Vielleicht haben Sie es schon in der Zeitung gelesen: Dort hat ein spektakulärer Kunstraub stattgefunden.«
»Was?!«
»Nein.«
Ihr Chef warf eine ziemlich zerfledderte Ausgabe der Rheinpfalz über den Tisch. »Überregionales, vorletzte Seite«, sagte er. »Ah, und irgendwo habe ich noch die Lautringer Ausgabe.« Er suchte in einem seiner übermäßig zahlreichen Ablagekörbe. »Da ist sogar ein Foto dabei.«
Willenbacher hatte die Zeitung zu sich gezogen und aufgeschlagen. Bettina schaute mit ihm auf die angegebene Seite. »Ich sehe nichts«, sagte der Obermeister.
»Da rechts in der Spalte mit den Kurznachrichten«, war die Antwort. Und tatsächlich war da eine winzige Meldung:

Kunstprojekt erfolgreicher als gewünscht

In der vergangenen Nacht wurden in Lautringen mehrere Plakatvitrinen aufgebrochen, die Kunstwerke von verschiedenen Mitgliedern einer örtlichen Künstlergemeinschaft enthielten. Insgesamt zwölf Werke wurden gestohlen. Die Künstlergemeinschaft stellt mit der Aktion »Kunst im Vorübergehen« einhundert verschiedene Plakate in Vitrinen der Fa. Stadtmöbel GmbH im gesamten Lautringer Stadtgebiet aus. Diese Aktion dauert noch bis Ende November. Von den Dieben, die mit Spezialwerkzeug vorgingen, fehlt bislang jede Spur. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere hundert Euro.

Willenbacher ließ die Zeitung sinken. Er war erschüttert.
»So, und hier ist die andere.«
Den Lautringern war das Ereignis wenigstens den Titel der Lokalseite wert gewesen. Rätselhafte Kunstdiebe!, behauptete er. Auf dem zugehörigen Foto war ein älterer Herr abgebildet, der mit erhobenen Händen neben einer leeren Plakatvitrine stand und strahlte. Einer der Diebe wahrscheinlich. Der Artikel darunter war launig abgefasst. Künstler, denen gleich mehrere Arbeiten gestohlen worden waren, kamen zu Wort und feierten sich stolz. Fast, zu diesem boshaften Schluss kam jedenfalls der Autor der Zeilen, könnte man glauben, bei der ganzen Angelegenheit handele es sich um eine heimliche Fortsetzung der Aktion, eine Art Event, das nachträglich die einfachen Dimensionen der Plakatvitrinen sprengte. Oder um einen klugen Marketinggag.
»Aber das ist doch ein Fall für die örtlichen Dienststellen«, sagte Bettina ärgerlicher, als wahrscheinlich gut für sie war. »Was sollen wir vom K 11 dort? Etwa mit der Spurensicherung antanzen und zwölf Plakatvitrinen einstäuben lassen?«
»Das halte ich für übertrieben«, erwiderte Härting trocken.
Bettina atmete durch. Dieses Gespräch konnte nur ein Missverständnis sein. »Wir sollen also offiziell als K 11-er nach Lautringen fahren, um dort den Diebstahl von zwölf Plakaten zu untersuchen? Als Kapitalverbrechen? Ist das angemessen?«
»Es handelt sich hierbei um ein Politikum.« Härtings schmaler Mund hob sich zu einem winzigen Lächeln.
Das »Politikum« schien zumindest Willenbacher wieder etwas aufzurichten. Was so ein bisschen Latein doch ausmacht, dachte Bettina.
»Die Frage nach der Angemessenheit ist im Übrigen nicht Ihre Sache, Frau Boll. Und wo wir gerade dabei sind: Sie haben im vergangenen Monat mehrere Einsätze vorzeitig abgebrochen, um pünktlich Feierabend zu machen, obwohl wir hier, wie Sie ganz richtig sagten, Kapitalverbrechen bearbeiten.« Härting blinzelte unfreundlich. »Wollen Sie das auch tun, wenn Sie dem Täter Auge in Auge gegenüberstehen?«
Bettina regte sich richtig auf. »Ich bin nie ohne Ihre Erlaubnis gegangen. Ich muss nun mal die Kinder von der Tagesmutter abholen. Das war so ausgemacht, oder nicht?!– Und ich habe Ihnen versichert, dass ich nie einen wichtigen Einsatz abbrechen würde.«
»Schön«, sagte Härting kühl, »das trifft sich wirklich gut, denn das hier ist ein wichtiger Einsatz. Sie beide werden Ihre Aufgaben in der Soko ›Künstler‹ bis auf weiteres niederlegen. Bis morgen Nachmittag erwarte ich Ihre überfälligen Berichte. Morgen Abend«, er blickte Bettina an, »haben Sie dann einen Termin mit den Geschädigten. Mit dieser Künstlergemeinschaft. In deren Vereinslokal.« Er reichte ihr drei zusammengeheftete Blätter. Die Anzeige, eine schlechte Kopie des Lautringer Stadtplans mit zwölf roten Punkten darauf und ein Zettel mit einer handschriftlichen Terminabmachung. »Seien Sie nett, Böllchen, und tun Sie so, als würden Sie die Leute ernst nehmen. Denken Sie immer dran, Sie sind vom K 11. Die Lautringer Kollegen wissen Bescheid.« Er grinste schmal. »Na ja, am besten, Sie lösen den Fall. Das wäre vielleicht am elegantesten. Auch den Lautringer Kollegen gegenüber, die sollen schließlich nicht ihren Glauben verlieren.«
»Aber die Soko braucht jeden Mann«, meldete sich Willenbacher flehentlich zu Wort. »Wir sind doch noch –«
»Herr Willenbacher«, unterbrach Härting, »Sie sind nun mal künstlerisch interessiert. Sie können mit diesen Leuten reden. Sie kennen die sogar! Wir brauchen Sie genau an dieser Stelle! Wer außer Ihnen weiß hier schließlich, was der Unterschied zwischen einer Volute und einem– hm«, an dieser Stelle lief der Hauptkommissar leicht rosa an, »einem– Dingsbumsblatt ist…« Er räusperte sich. »Und davon abgesehen verstehen Sie sich mit Frau Boll.«
Oh, dachte Bettina, das spricht natürlich gegen ihn.
»Und Frau Boll ist in dieser Phase der Ermittlungen für die Soko einfach – entschuldigen Sie das Wort, Frau Kollegin– zu belastend. Ich kann mir nicht jeden Abend überlegen, ob Frau Bolls Einsatz wichtig ist oder nicht. Wir brauchen Leute, die im Notfall auch mal selbst entscheiden können. Immerhin sind wir im gehobenen Dienst.«
Jetzt reichte es. Bettina sprang auf. Der zudringliche Hibiskus streifte sie. Erbittert schlug sie ihn zur Seite. Erst war sie nicht lenkbar genug und dann zu unselbständig, und das innerhalb von nicht mal zehn Minuten. »Was ist mit den Familienvätern?«, rief sie. »Die gehen auch mal früher, um ihre Kinder abzuholen! Wir haben über zehn Väter in der Abteilung– Sie inbegriffen, Herr Hauptkommissar, und keiner von Ihnen macht deswegen seine Arbeit schlechter.«
Eine schwere, blutrot gefüllte Hibiskusblüte schwankte noch, fiel dann zu Boden und lag nun neben einer Auswahl von Flaschen mit verschiedenen Giften. Gegen jeden Schädling ein eigenes. Härting sah die Blüte stirnrunzelnd an. »Das ist etwas ganz anderes, Böllchen: Wir haben Familien. Sie aber sind allein erziehend, noch dazu mit zwei Kleinkindern. Ich habe nichts gegen arbeitende Frauen–«, hier blickte Härting drohend auf, »aber etwas gegen Kollegen, die in meiner Abteilung versuchen, gleich zwei Vollzeitberufen nachzugehen. Das genau tun Sie nämlich, Frau Boll. Und ich kann in einer Sonderkommission keine übermüdete Beamtin gebrauchen, die zwischendurch einkaufen geht und die Minuten bis zum Feierabend zählt. Sie sind ein Risiko, für Ihre Kinder und auch für die Kollegen. Denken Sie mal genau nach: Auch Sie würden keinen Lahmen, dem Sie den Krückstock hinterhertragen müssen, mit zu Außeneinsätzen nehmen, wo Gott weiß was passieren kann. Oder?«
»Ich bin nicht behindert«, sagte Bettina, weiß vor Zorn.
»Das habe ich auch nicht gesagt.« Härtings Gesicht sah nun sehr streng aus. »Seien Sie froh, dass Sie nach Lautringen dürfen. Lassen Sie sich Zeit dort und überlegen Sie, was gut für Sie ist.« Er sah an Bettina vorbei, nickte Willenbacher zu und griff sich ein Foto von einem toten Jungen, das auf seinem Schreibtisch lag. »Viel Erfolg.– Alles andere besprechen wir, wenn Sie zurück sind.«


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Autorin/Bibliografie

Monika Geier, geboren 1970, lebt in Kaiserslautern. Sie studierte Archtektur und hat inzwischen 3 Kinder, alles Jungs (der dritte kam parallel zum fünften Roman). Für ihr Debüt Wie könnt ihr schlafen (derzeit in der 5. Auflage) erhielt Monika Geier den Marlowe, den Krimipreis der Raymond-Chandler-Gesellschaft. Das war der erste Roman ihres bisher sechsbändigen Zyklus um die Halbtags-Kriminalkommissarin Bettina Boll:

Bettina Bolls 1. Fall: Wie könnt ihr schlafen (Ariadne Krimi 1110)
Bettina Bolls 2. Fall: Neapel sehen (Ariadne Krimi 1136)
Bettina Bolls 3. Fall: Stein sei ewig (Ariadne Krimi 1150)
Bettina Bolls 4. Fall: Schwarzwild (Ariadne Krimi 1174)
Bettina Bolls 5. Fall: Die Herzen aller Mädchen (Ariadne Krimi 1184)
Bettina Bolls 6. Fall: Die Hex ist tot (Ariadne Krimi 1216)

außerdem: Müllers Morde (Ariadne Krimi 1200)

Mehr über Monika Geier unter www.geiers-mor.de

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