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Leseprobe

Autorin

Merle Kröger
Cut!

Ariadne Krimi 1146
ISBN 978-3-86754-017-9 · 11 €

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(jederzeit widerrufbar)

Bollywood – Leinwandträume

Die Hamburgerin Madita Junghans hat norddeutsche Eltern und ein indisches Gesicht. Als ihr heiß geliebtes Kinoprojekt zumachen muss, spürt sie ihrem leiblichen Vater nach und stolpert über ein erstaunliches Kapitel deutsch-indischer Geschichte ...

Madita leidet entsetzlich unter dem Scheitern ihres Kinoprojekts. Sie ist Kinofan mit Leib und Seele, doch neue Pläne sind nicht in Sicht. Sie vergräbt sich, bis Freund Nikolaus mit einer echten Schnapsidee kommt: »Wir könnten ein Detektivpaar sein, so wie Nick und Nora oder Maggie und Nick bei P.M. Carlson. – Nick und Mattie!«
Zum Üben machen sie sich auf die Suche nach Matties biologischem Vater. Madita selbst weiß von ihm nur, dass er Inder ist (das ist ihr auch anzusehen). Aber wo beginnen? Matties Mutter lebt seit Jahren in einer Traumwelt, und ihr Ziehvater Hinnarck ist kein Freund von Reden.
Maditas Patentante enthüllt ihr jedoch eine Spur, die zunächst nach London führt. In Bombay sollen die Fäden endlich zusammenlaufen. Doch dann wird es ernst: Ein Mann folgt ihnen. Kann der gewaltsame Tod eines politischen Journalisten etwas mit Matties »Fall« zu tun haben?

Merle Kröger, Drehbuchautorin und Filmemacherin, erzählt in lebhaften, raffinierten Schnitten von historischem und heutigem Leben zwischen Deutschland und Indien, zwischen Kino und Wirklichkeit. Ihr Krimi beleuchtet ein weithin unbekanntes Kapitel deutsch-indischer Vergangenheit. Er entführt die Leserinnen in die grellbunte Welt der Bollywood-Movies und findet seine überraschende Auflösung, wo alles einst begann: im Hafen von Hamburg.


Leseprobe

 

1 Kino

Der Mann liegt regungslos in der Badewanne. In der Hand hält er ein kleines silbernes Diktiergerät, das sein eigenes Laufgeräusch aufzeichnet. Ein kaum hörbares rhythmisches Schaben, wenn das Band über den Tonkopf läuft.
Cut. Die Kameraperspektive erfasst jetzt das gesamte Badezimmer im Weitwinkel. Der weiß gekachelte Raum, keine persönlichen Dinge, nur zwei kleine bedruckte Fläschchen für Shampoo und Duschgel und ein unbenutztes Zahnputzglas. Ein weißer Bademantel, auf dem Klodeckel abgelegt.
Cut. Die Kamera hat sich dem Boden zugewandt. Reproduktionen alter Schwarz-Weiß-Aufnahmen, einige davon so unscharf, dass man die marschierenden Soldaten darauf nur erahnen kann. Ein Moment der Privatheit, mitten im Krieg: Drei Offiziere lächeln verkrampft ins Objektiv des Fotografen. An ihren Kragen leuchten die Abzeichen der deutschen Wehrmacht. Die Kamera bleibt irritiert hängen. Einer der Männer sieht nicht aus wie ein Deutscher. Seine Haut, seine Augen, sein Haar sind dunkel. Wie bei dem Mann in der Badewanne, dessen Hand mit dem elektrischen Gerät gerade langsam über die abgerundete Kante aus weißem Porzellan rutscht.
Das Klingeln eines Mobiltelefons durchschneidet die Stille und löst eine Kettenreaktion aus. Mehmet Khan wacht auf, starrt auf seine Hand mit dem Diktiergerät, wird sich der Gefahr bewusst und wirft das Ding panisch aus der Badewanne. Mit einem unangenehmen Knirschen schlägt es auf die Fliesen. Mehmet springt auf, Wasser spritzt auf die Fotos. Er zwängt sich fluchend, astreines Cockney fluchend, in den Bademantel und schliddert aus dem Zimmer.
Cut. Die Kamera irrt suchend umher, folgt seiner Stimme und findet ihn schließlich, wie er vor dem Fenster steht und in sein Handy spricht.
»Alan! Ja, dir auch ein frohes neues Jahr. Nein, Liz ist in London, sie ist heute Morgen von Paris abgeflogen. Ich bin da in Frankreich auf etwas gestoßen –«
(Pause)
»Nein, verdammt, es ist nicht zu teuer. Ich habe den Artikel schon fast komplett. Ich brauche nur noch einen Zeitzeugen. Und ich habe einen aufgetan, hier in der Nähe von Hamburg. Ja, du hast richtig gehört. Hamburg. Alan, ich kenne unser Budget!« Er drückt eine Taste, murmelt »Idiot« und legt seinen Kopf an die kühle Scheibe.
Leichter Schneeregen hat das Fenster mit einem Schleier überzogen. Passanten ziehen Mehmets Aufmerksamkeit auf sich. Junge Deutsche. Wiedervereinigt. Ausgelassen. Über der Tür, aus der sie herausgekommen sind, leuchtet ein weißes Neonschild mit blauer Schrift: »Fritz Lang: Das indische Grabmal« entziffert er mühsam.

*

»Quatsch, Madita!« Du kannst Theresas hochgezogene Augenbrauen hinter der rechteckigen schwarzen Brille vor dir sehen. »Das geht so nicht, du musst das subtiler angehen.« Hundertmal, tausendmal müsst ihr beiden als Letzte, bis es dämmerte, im Kino gesessen haben. Jede mit einem Bier in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand, die Asche einfach auf den Boden, wo jemand die Kippen einer langen Filmnacht zu kleinen Häufchen zusammengefegt hatte. Ab dem dritten Bier habt ihr dann angefangen, Filme zu erfinden. Aber Theresa ist eben Expertin für Nouvelle Vague. Und du? »Tatort« oder was? Sie hätte natürlich Recht. Warum sollte Mehmet Khan ausgerechnet in dem Hotel gegenüber dem Kino gewohnt haben?
Deine Gedanken hoppeln davon, als hätte jemand »Fast Forward« gedrückt. Wenn du die weiteren Ereignisse bedenkst, könntest du dich als Expertin für dramatische Überschneidungen des Schicksals lizensieren lassen. Als wärt ihr alle, du, Nick und Cal, zu Darstellern in einem überspannten Bollywoodfilm geworden. Drei Stunden Melodram. Acht Songs. Opulente Tanzszenen. Exotische Drehorte. Abspann.


Autorin

Merle Kröger, geb. 1967 in Plön/Schleswig-Holstein, studierte Filmwissenschaft und Publizistik an der FU Berlin, macht seit 1987 eigene Videos und Filme, ist in Künstlergruppen aktiv, konzipiert und realisiert Film- und Videoscreenings, Seminare, Ausstellungen, Konzerte. Mitgründerin der Produktionsfirma »dogfilm« und der Medienkunst-Plattform »pong«. Merle Kröger macht Produktion, Buch, Regie, Dokumentarfilm, Essay und Videokunst, ist als freie Cutterin, Autorin und Produktionsleiterin sowie als Kuratorin tätig und arbeitet frei für ZDF, ARTE, 3Sat, Deutsche Welle u.v.a. Sie erhielt etliche Auszeichnungen auf Film- und Videofestivals im In- und Ausland.


Außerdem von Merle Kröger bei Argument/Ariadne:

Kyai! (Ariadne Krimi 1166)

Grenzfall (Ariadne Krimi 1210)

HAVARIE (Ariadne Krimi 1224)

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