NEUERSCHEINUNGEN                                           Verzeichnis aller lieferbaren Ariadne-Titel nach Autorinnen: A B C D F G H J K L M N O P R S W

Monika Geier
Wie könnt ihr schlafen
Ariadne Krimi 1110
ISBN 978-3-88619-840-5
Auf die Merkliste
(jederzeit widerrufbar)

Bösartigkeit, Witz und Raffinesse

»Das geheimnisumwitterte Herrenhaus. Die jobbende Studentin, der bigotte Lehrer, die hysterische Apothekerin, die Architektin mit Vergangenheit. Die Kinderleiche im Garten des Herrenhauses … Es ist das erste Buch von Monika Geier und bekam gleich den Marlowe, zu Recht.
Wenn Sie Geier noch nicht kennen, beginnen Sie mit Wie könnt ihr schlafen. Darin nimmt Bettina Bolls Karriere ihren Anfang. Ihr Chef redet die etwas ungeschlachte Rothaarige, die mit Jeans und Schlabberpullover nicht gerade das Musterbild einer Kommissarin im Morddezernat abgibt, grundsätzlich mit ›Böllchen‹ an. Damit wissen wir, was das für ein Chef ist. Boll ist zwerchfellerschütternd normal, eine junge Frau wie Hunderttausende, verliebt, unbeherrscht, schlampig, manchmal mit Migräne, immer mit Intuition und scharfem Verstand. Kein erhobener Zeigefinger, nirgends! Monika Geier verfügt über die Bösartigkeit aller guten Krimiautorinnen, über Witz und die Raffinesse für wirklich subtile Plots. Ihre Bücher sind mehr als eine Entdeckung, sie sind eine Befreiung von schlecht gewordener Konvention.«
Tobias Gohlis in der Zeit

Ausgezeichnet mit dem Marlowe der Raymond-Chandler-Gesellschaft.

Anmerkung der Verlegerin:

Das erste Manuskript von Monika Geier erreichte die Ariadne Redaktion im Winter 1997/98.
Erstgutachterin Hiltrud Bontrup, damals bei uns in Ausbildung, war elektrisiert und machte mir freundlichen Druck, es unbedingt zu prüfen. Ach, herrje. Kaum lesbar, befand ich: komplett in kursiver Schrift gehalten, zudem ein altersschwacher Nadeldrucker auf Umweltpapier, und dann noch ohne Seitenzahlen! Aber als echtes Talent schaffte es die Verfasserin über formale Mängel und meine genervten Vorbehalte hinweg, mich nicht nur in ihre Geschichte hineinzuziehen, sondern sich sogar direkt in zwei meiner Lieblingskategorien zu katapultieren. Krimis, die es schaffen, mich zu überraschen. Und Krimis, die einen Sound haben, eine eigene Art des Erzählens, einen eigenen klugen Blick auf die Welt.
Und was für eine Welt! Denn Wie könnt ihr schlafen führt uns mit viel Witz, Esprit und Menschenkenntnis mitten ins kleinbürgerliche deutsche Landleben: Im dunklen Grün des Pfälzerwalds herrschen noch Anstand und Ordnung. Die Haustüren bleiben unverschlossen - man kennt sich. Solch ein Ort ist Kreimheim. Und will es auch bleiben – selbst der feinsinnige Bürgermeister Max Marquardt mag daran nichts ändern. Doch plötzlich tauchen auf dem maroden, aber immer noch herrschaftlichen Anwesen der Familie Marquardt Überreste einer Neugeborenenleiche auf! Da wird die junge Mainzer Kripokommissarin Bettina Boll von ¬ihrem Chef aus dem Urlaub geholt und in die Hinterpfalz geschickt. Wobei im Grunde keiner glaubt, dass sie da etwas ausrichten kann, denn besagte Kinderleiche liegt seit 25 Jahren unter der Erde. Kommissarin Boll wühlt dennoch tapfer in uralten Dorfgeschichten, und dann spitzt sich die Lage zu: ein Mädchen verschwindet, und zwei nagelneue Morde überschatten das Verbrechen der Vergangenheit. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem gewaltsamen Tod der versoffenen Dorfputzfrau und dem Fund der Babyleiche?
Bettina Boll, die instinktsichere Kommissarin, der kaum ein Fettnapf erspart bleibt – wie ist sie mir schon in diesem ersten Buch ans Herz gewachsen! Fünfzehn Jahre ist das jetzt her, in denen vier weitere wunderbare Boll-Krimis entstanden. Und Monika Geier, damals noch Architekturstudentin, gilt heute als eine der besten Krimiautorinnen des Landes. Mit Recht.
Else Laudan

Leseprobe

Draußen regnete es nicht mehr, doch der Himmel war tief verhangen und diesig; von der Linde vor dem Haus tropfte es.
Bettina klappte ihren Kragen hoch und schritt langsam zum Marktplatz. Das Morgenlicht erschien noch grau; die großen Peitschenleuchten brachten die ineinander gebauten feuchten Häuser zum Glänzen. Einige Fensterläden standen bereits offen, obwohl es Samstag war, und hinter den Fenstern schimmerten Glanzpapiereier und -hasen. Wenn man die Dorfstraßen entlangging, konnte man kaum glauben, dass die Bewohner größere Probleme hatten als die Füllung des Osterbratens.
Ohne auf ihren Weg zu achten, wählte Bettina eine schmale Seitenstraße und war nicht überrascht, sich am Friedhof wiederzufinden. Diesmal hatte sie den neueren Teil vor sich.
Beschnittene Buchsbaumhecken grenzten einzelne Abteilungen ab, und der Hauptweg war frisch mit Kies bestreut und mit jungen Linden bepflanzt worden. Weiter vorne werkelte eine alte Frau an einem tadellos gepflegten Grab.
Um aufdringlichen Fragen zu entgehen, setzte Bettina ein grüblerisches Gesicht auf. Sie hatte vor, rasch an der alten Dame und dem Grab vorbeizukommen, doch dann bemerkte sie die Inschrift, die in den rötlichen Stein eingemeißelt war:

Margarete Holler
Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben
weil sie so viel Liebe gezeigt hat.
Lukas 7,47


Die Zahlen darüber sagten, dass das Mädchen nur sechzehn Jahre alt geworden war. Bettina blieb stehen und vergaß, was sie eben noch über die Neugier gedacht hatte. "Wie viele Sünden kann man denn mit sechzehn begangen haben?", fragte sie den Rücken der Frau.
Diese sah auf und nickte zum Gruß. Ihr von feinen Fältchen durchzogenes Gesicht wurde von intensiv veilchenblauen Augen beherrscht. "Eine Menge, Fräuleinchen." Sie musterte Bettina mit freundlichem Interesse. "Sie sind doch das Fräulein von der Polizei?"
Bettina stimmte zu und wies auf das Grab. "War das Ihre Tochter?"
"Sicher, Fräuleinchen."
"Was ist mit ihr passiert?"
Die Frau schenkte Bettina ein herzerwärmendes Lächeln. "Sie war eine Hure, Fräuleinchen. Und ihr Vater ein Witzbold. Hatte immer was übrig für einen guten Scherz, sogar am Grab seiner Tochter."
Ein Gefühl der Unwirklichkeit überkam Bettina. Vermutlich hatte sie sich verhört. Die alte Dame machte ein liebenswürdig-verschwörerisches Gesicht, als habe sie soeben das Rezept für besonders gute Anisplätzchen verraten.
"Ja, das ist Ihnen unangenehm, was Fräuleinchen? Ja, so sind die Menschen." Die alte Dame wandte sich wieder dem Grab zu. "Keine Angst, ihr Vater hat gekriegt, was er verdient hat, da drüben liegt er, Gott sei seiner armen Seele gnädig." Sie wies auf ein Grab mit einem schwarzen Granitblock und jätete weiter, als habe sie Bettina nie gesehen.
"War Margarete krank?", fragte diese dennoch weiter.
"Gretchen. Hat sich in ihrem Kleiderschrank erhängt." Die Alte nickte vor sich hin, nicht unfroh. "Das ist die Welt, Fräuleinchen."
Der schwarze Granit glänzte kalt und zog Bettina wider Willen an. Das dazugehörige Grab war sorgsam gepflegt und eingefasst und mit dem der Tochter bis auf den Stein identisch.

Du sollst ein Zicklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen.
Deuteronomium 14, 21b
Valentin Holler


Ungläubig starrte Bettina die Inschrift an.
Die Frau hinter ihr begann zu lachen. "Für ihn konnte ich die Inschrift aussuchen." Geduldig und gleichmäßig zupfte sie kaum sichtbare Unkräuter aus der schwarzen Ziererde. "Ich meine, die Grabinschrift sollte das Leben eines Menschen charakterisieren. Und das alte Testament hat so viel Wahres, nicht? -- Naja, als er noch lebte, wollte er nicht auf mich hören." Mit der Schulter deutete sie auf den dunklen Granitblock, der das Grab ihres verstorbenen Gatten beschwerte. "Die Leute hier halten mich für verrückt, aber die wollten noch niemals sehen, was sich direkt vor ihren Augen abspielt. Was klar und offensichtlich ist, will keiner sehen." Ihre veilchenblauer Blick streifte abschließend Bettinas Gesicht.
Bettina floh.

Seitenanfang

Presse

»Die besten Kriminalromane zerren einen mitten ins Leben. So wie die Krimis von Monika Geier. Eine der interessantesten Autorinnen der Gegenwart.« Peter Hiess, Buchkultur

»Monika Geier treibt ein gerissenes Spiel. Hochgenuss.« KrimiWelt-Bestenliste »Sprachlich raffiniert, formal interessant, exakt dosiert witzig, toll geplottet, spannend – mit einem Wort: richtig gut. Monika Geier ist eine versierte Stilistin und hierzulande eine der Besten des Geschäfts.« Ulrich Noller, Deutsche Welle

»Psychologie und hintergründiger Humor: Bei Geier ist Spannung garantiert.« Hörzu

»Monika Geier plündert die Kolportage-Elemente der Krimiliteratur von Umberto Eco bis Dan Brown, von Agatha Christie bis Mo Hayder, mischt sie ordentlich durch und macht Nouvelle Cuisine daraus: Mal deftig, mal subtil, aber immer aufregend, abwechslungsreich und auf höchstem Niveau, mit einem hinterhältig neckischen Witz.« Tobias Gohlis, arte.tv

»Der tägliche Wahnsinn als Achterbahn: Geier erzählt leichtfüßig, mit sicherem Gespür für Situationskomik, Dramaturgie und überraschende Wendungen.« TitelMagazin

»Hoffentlich kommt bald Nachschub!« Brigitte

»Vielschichtiger Plot, sympathische Protagonistin und Gruseleinlagen – genau so muss ein Krimi sein!« Für Sie

»Monika Geiers Kriminalromane gehören in eine ganz andere, seriöse Kategorie von Literatur.« Thomas Wörtche in Meier

 

Autorin/Bibliografie

Monika Geier, geboren 1970, lebt in Kaiserslautern. Sie studierte Archtektur und hat inzwischen 3 Kinder, alles Jungs (der dritte kam parallel zum fünften Roman). Für ihr Debüt Wie könnt ihr schlafen (derzeit in der 5. Auflage) erhielt Monika Geier den Marlowe, den Krimipreis der Raymond-Chandler-Gesellschaft. Das war der erste Roman ihres bisher sechsbändigen Zyklus um die Halbtags-Kriminalkommissarin Bettina Boll:

Bettina Bolls 1. Fall: Wie könnt ihr schlafen (Ariadne Krimi 1110)
Bettina Bolls 2. Fall: Neapel sehen (Ariadne Krimi 1136)
Bettina Bolls 3. Fall: Stein sei ewig (Ariadne Krimi 1150)
Bettina Bolls 4. Fall: Schwarzwild (Ariadne Krimi 1174)
Bettina Bolls 5. Fall: Die Herzen aller Mädchen (Ariadne Krimi 1184)
Bettina Bolls 6. Fall: Die Hex ist tot (Ariadne Krimi 1216)

außerdem: Müllers Morde (Ariadne Krimi 1200)

Mehr über Monika Geier unter www.geiers-mor.de

Argument Verlag GmbH | Glashüttenstraße 28 | 20357 Hamburg | Impressum | AGBs | Widerrufsbelehrung